De profundis …

Der Mensch erscheint so erlösungsbedürftig wie erlösungsunfähig.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Liegt eine Lebens­leis­tung dar­in, die­se Ein­sicht ohne Trau­er ertra­gen zu kön­nen – sowohl mit Blick auf sich selbst wie auf die Menschheit?

Kei­ne Fra­ge, daß das Sein fas­zi­nie­rend ist – weil es über­haupt etwas gibt, weil es aus toter Mate­rie her­aus sogar das Leben gibt, und zudem die­sem Leben ein­ge­schrie­ben ein Bewußt­sein, das die Man­nig­fal­tig­keit rund­um und sich selbst wie all die ande­ren Wesen zu spie­geln vermag.

Allein mit die­sem Fas­zi­no­sum wird man nicht fer­tig, wenn man es als sol­ches bemerkt hat. Die meis­ten aller­dings dürf­ten es hin­neh­men wie ihren selbst­tä­tig ablau­fen­den Stoff­wech­sel, der ihnen als redu­ziert bio­lo­gi­sches Dasein Zweck genug ist und über ihren Ego­is­mus die Rich­tung angibt.

Der Mensch, tat­säch­lich das Eben­bild Got­tes? Wel­che Ver­mes­sen­heit, meint man skep­tisch, gera­de dies von sich anzu­neh­men. Läge es doch kraft Erfah­rung weit näher, den homo sapi­ens als eine Art Soll­bruch­stel­le der Schöp­fung auf­zu­fas­sen, wenn man schon von einer Schöp­fung und also von einem Schöp­fer aus­ge­hen möchte.

Der Riß geht ja nicht nur – jedem spür­bar – durch uns selbst, son­dern mit uns mit­ten durch die Welt, ein Riß, von dem man wün­schen möch­te, daß er sich irgend­wann wie­der ver­wächst. Daß dies aller­dings durch mensch­li­ches Wir­ken selbst geschä­he, dürf­te nach allem, was war, nicht zu hof­fen sein.

Wer hof­fen kann, hofft auf Jesus Chris­tus, des­sen Kreuz vor die­sem Riß auf­ge­rich­tet ist, wie um ihn zu ver­schlie­ßen, gefer­tigt aus dem Baum des Para­die­ses, von dem die Erb­sün­de, der Riß, doch ausging.

An unse­rem Wesen jeden­falls genas die Welt bis­lang nicht, im Gegenteil:

All­zu viel von ihr starb bereits für uns weg und aus. So ver­hee­rend, daß es nie gut­zu­ma­chen sein wird. Anders aber ist unser Dasein nicht zu haben als um den Preis des Ver­brauchs der Res­sour­cen. Dies hin­zu­neh­men, dazu bedarf es einer Ein­sicht, die jedem füh­len­den Wesen weh­tun muß.

Oder auch nicht. Denn der Mensch beklagt sich nach wie vor weit mehr über sein eige­nes Leid als über jenes des Pla­ne­ten. Daß es – im erwei­ter­ten Sin­ne – eines glo­ba­len und längst indus­tri­ell arbei­ten­den Schlacht­hau­ses bedarf, um den Men­schen wei­ter durch­zu­brin­gen, ist für ihn eine not­wen­di­ge, mit­hin legi­ti­me Zwangsläufigkeit.

Selbst­ver­ständ­lich sogar, not­ge­drun­gen, daß in die­sem Schlacht­haus nicht nur die Mit­ge­schöp­fe, son­dern die eige­nen Brü­der und Schwes­tern geop­fert wer­den – mitt­ler­wei­le höchst effek­tiv und bere­chen­bar dank der digi­ta­len Mathe­ma­ti­sie­rung und Algo­rith­mi­sie­rung von Welt und Gesell­schaft. Mit­tels Ras­te­rung und Ska­lie­rung kann end­lich voll durch­ge­grif­fen werden.

Aus der öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe etwa wird es, nach allem, was wir dazu erken­nen, kei­nen Aus­weg geben. Glück­lich allein jene tum­ben Igno­ran­ten, die mei­nen, es gäbe gar kein öko­lo­gi­sches Problem.

Neben dem Leid immer­hin beklagt der Mensch sei­ne Schuld. Bei­des – glei­cher­ma­ßen? – mag das reli­giö­se Bedürf­nis wecken, min­des­tens die meta­phy­si­sche Sehn­sucht und das inne­re Ver­lan­gen nach Tran­szen­denz. Wäh­rend das Leid natur­ge­mäß nicht los­zu­wer­den ist und nicht erst seit Hiob eines per­ma­nen­ten Sor­gen- und Ver­zweif­lungs­tros­tes bedarf, wird Schuld über beson­de­re Ritua­le vergeben.

Einer­lei, ob für die erfleh­te Ver­ge­bung nun etwas zu leis­ten wäre oder nicht, gehen die­se Ritua­le doch immer von der Ein­sicht aus: Du kannst nicht han­deln, ohne schul­dig zu wer­den, dein „Betriebs­sys­tem“ läßt es nicht zu.

Schö­ner und trost­rei­cher Gedan­ke der Gno­sis, es könn­te in einer ande­ren Welt, also mit ande­rem Bios, auf ande­rem Mother­board, ein bes­se­res Betriebs­sys­tem viel har­mo­ni­scher lau­fen, ohne all die Bugs, die uns die Sache hie­nie­den so schwie­rig gestalten.

Was die Reli­gi­on uns den­noch oder des­we­gen ver­spricht und ver­heißt, das muß man – glauben.

Aber was für eine Leis­tung gera­de das! Man gehe nur das Apos­to­li­sche Glau­bens­be­kennt­nis gründ­lich Zei­le für Zei­le durch, ins­be­son­de­re wenn man mein­te, es bereits beja­hend able­gen zu kön­nen. Es wird dort vie­les bekannt, was, nun ja, so sim­pel doch kaum zu beken­nen ist. Oder anders: Man ließ sich da auf min­des­tens Unwäg­ba­res ein. Glück­lich der­je­ni­ge, der es wie selbst­ver­ständ­lich nach­sprach. Sanc­ta simplicitas?

Was ver­ständ­lich erscheint, inso­fern im Wäg­ba­ren, im Ver­füg­ba­ren eben kei­ne Erlö­sung denk­bar ist. Aber allein die Auf­er­ste­hung: Wel­che Erlö­sung ist, und zwar im Sin­ne eines guten Endes, nun genau davon zu erwarten?

Das Mys­te­ri­um von Gol­ga­tha, als christ­li­ches Zen­tral­ereig­nis, ist, wohl­wol­lend for­mu­liert, selbst durch jene Erwähl­ten, die es in irgend­ei­ner Wei­se als Tat­sa­che beken­nen und also bewun­dern, schwer­lich zu fas­sen. Nicht zuletzt in rela­ti­ver Kon­kur­renz zu aller­lei ande­ren Mys­te­ri­en, die, blas­phe­misch aus­ge­drückt, seit Jahr­tau­sen­den und immer mal neu so im Ange­bot sind.

An der Stel­le darf, ja muß man per­sön­lich werden:

Ich selbst, des­sen aben­teu­er­li­che Lebens­rei­se in ihr letz­tes Drit­tel führt, so sie nicht infol­ge der alles durch­zie­hen­den Kon­tin­genz mor­gen bereits vor­bei ist, ich selbst also habe mich red­lich bemüht, Mys­te­ri­en und Ver­hei­ßun­gen, von denen ich erfuhr, nach­zu­spü­ren und sie nach­denk­lich zu prü­fen, soweit ich’s ver­moch­te. Was im Ver­füg­ba­ren nicht zu erlan­gen ist, dafür bleibt nur das Unverfügbare …

Pfar­rer übri­gens, mit denen ich zu den schwe­ren Glau­bens­ker­nen ins Gespräch zu kom­men ver­such­te, erschie­nen mir, ruhig ange­spro­chen auf die essen­ti­ells­te Reli­gi­ons­be­stän­de, eher ver­druckst bis gera­de­zu pein­lich berührt. Sie waren bereit, sehr beredt über alles mög­li­che zu reden, über die wich­tigs­ten und letz­ten Din­ge eher nicht. Seltsam.

Wo mir allein je eine Art unio mysi­ca wider­fuhr (Und ja, das geschah.), erleb­te ich die­se ohne reli­giö­se Glo­rio­le und gänz­lich bar pas­to­ra­ler Ver­mitt­lung. Mir schwer vor­stell­bar, daß die Kom­mu­ni­on in einem rou­ti­niert durch­lau­fen­den Got­tes­dienst mir je zu einem inne­ren Ereig­nis gewor­den wäre.

Über­haupt ver­lie­fen mei­ne bewußt gründ­li­chen Son­die­run­gen zum Reli­giö­sen und Theo­lo­gi­schen mit gerin­ge­rem Ertrag als das, was, weni­ger mys­te­ri­ös und mira­kel­haft, in Büchern der Phy­sik, der Phi­lo­so­phie und Lite­ra­tur so zu lesen ist.

Es geht dar­in durch­aus um die zu Beginn die­ses Bei­trags auf­ge­wor­fe­nen The­men. Und es sind hier und da bestechen­de Ange­bo­te und sogar Ant­wor­ten zu erle­sen – alle­samt aber um einen Preis, den nach­voll­zieh­bar das reli­giö­se Bewußt­sein min­des­tens so ein­fach nicht zu ent­rich­ten bereit ist, nämlich:

Es gibt dar­in trotz der Arbeit an Erkennt­nis eben kein Ver­spre­chen von Trost. Min­des­tens kei­ne ein­fach zu erlan­gen­de Trös­tung, kei­ne jeden­falls, die erlöst.

Und gera­de das, ehr­lich gesagt, paßt mir. Nein, es beschwert nicht, es befreit, wenn man erst mutig den Schritt geht, der eben nicht auf ein Erlö­sungs­ver­spre­chen hofft, son­dern den Mumm zur fata­len Ein­sicht auf­bringt, uner­löst leben zu müs­sen. Was das Leben, Den­ken, Füh­len und Han­deln gera­de nicht ver­wirft, son­dern ihm erst recht alles abverlangt.

Wie denn soll ich mir und mög­lichst den ande­ren, auch den Mit­ge­schöp­fen gegen­über gut leben, wenn es jen­seits des dra­ma­ti­schen Dies­seits und mit mei­nen gerin­gen Fähig­kei­ten kei­ne ech­te Hoff­nung, schon gar nicht sol­che auf Erlö­sung geben soll­te? Oje. Wenn ich also unterm lee­ren Him­mel selbst dafür ver­ant­wort­lich bin und mir die Zei­chen für den Weg durch den meist naß­kal­ten Daseins­ne­bel selbst ein­schla­gen muß?

Das läßt sich bei Arthur Scho­pen­hau­er, Sören Kier­ke­gaard und mei­net­we­gen Emil Cioran lesen, um nur mal drei zu nen­nen, die ich nicht allein für Phi­lo­so­phen, son­dern für ver­zwei­fel­te Gott­su­cher hal­te, wobei der Erst­ge­nann­te noch die gelas­sens­ten und tiefs­ten Ant­wor­ten zu geben ver­stand. – Lese­pro­be, auf daß es hier nicht zu trost­los werde?

„Um so weni­ger darf es uns in den Sinn kom­men, das Auf­hö­ren des Lebens für die Ver­nich­tung des bele­ben­den Prin­cips, mit­hin den Tod für den gänz­li­chen Unter­gang des Men­schen zu hal­ten. Weil der kräf­ti­ge Arm, der, vor drei­tau­send Jah­ren, den Bogen des Odys­seus spann­te, nicht mehr ist, wird kein nach­den­ken­der oder wohl­ge­re­gel­ter Ver­stand die Kraft, wel­che in dem­sel­ben so ener­gisch wirk­te, für gänz­lich ver­nich­tet hal­ten, aber daher, bei fer­ne­rem Nach­den­ken, auch nicht anneh­men, daß die Kraft, wel­che heu­te den Bogen spannt, erst mit die­sem Arm zu existi­ren ange­fan­gen habe. Viel näher liegt der Gedan­ke, daß die Kraft, wel­che frü­her ein nun­mehr ent­wi­che­nes Leben aktuir­te, die sel­be sei, wel­che in dem jetzt blü­hen­den thä­tig ist: ja, die­ser ist fast unabweisbar.“

Damit ist frei­lich nicht alles gesagt, schon gar nicht über die oben gestreif­ten The­men Schuld und Erlösung. –

Ich beglei­te­te vor einem Jahr das Ster­ben mei­ner Mut­ter, so auch die unmit­tel­bar letz­ten drei Tage ihres Lebens. Ich saß also an einem Bett des Kreis­kran­ken­hau­ses Pri­g­nitz, sprach der Ster­ben­den zu, ach­te­te dar­auf, daß die Kar­tu­sche in der Mor­phin-Pum­pe bloß nicht leer­lie­fe, habe noch nie so kon­zen­triert auf den Atem eines ande­ren Men­schen gehört, bis der am drit­ten Tag zu pras­seln begann wie Regen auf einem Dach.

Was an mei­ner Mut­ter in die­sen Tagen vor­bei­zog, weiß ich nicht. Wenn ihre Augen sich öff­ne­ten, frag­te ich nur: „Hast du Schmer­zen, Mut­ti?“ Sie sah mich klar an, offen­bar froh dar­über, daß ich da war und sag­te ver­blüf­fend leicht: „Nein, hab‘ ich nicht.“ – Ich dar­auf: „Dann schlaf mal noch ein biß­chen, Mut­ti. Schlaf dich ein­fach wei­ter gesund. Kei­ne Sor­ge, ich blei­be bei dir.“

Wobei abzu­se­hen war, daß es kei­nen ande­ren Weg mehr gab, als jenen, den sie gera­de ging, schon gar kei­nen Rück­weg ins Leben. Aber einen Heim­weg viel­leicht? Zum Schluß, bei den so selt­sam leich­ten wie schwa­chen Atem­zü­gen sag­te ich dann erst: „Gute Rei­se, lie­be Mut­ti!“ – Wohin aber?

Tie­fe Weis­heit, die bei Nova­lis durch­zu­klin­gen scheint: „Wo gehen wir denn hin? Immer nach Hause.“

Das immer­hin ist so eine Art Trost für mich. Dafür brau­che ich, viel­leicht all­zu keck, nicht mal ein Sakra­ment. Das Leben mei­ner Mut­ter zog, als sie starb, min­des­tens an mei­nem inne­ren Auge vor­bei, denn ich ken­ne ihr Leben glück­li­cher­wei­se recht genau, selbst des­sen Kapi­tel vor mei­ner Geburt.

Und ich ken­ne mei­nes. Um es mir bewußt zu machen und um wenigs­tens an einer Stel­le, gegen­über qua­si einem gedul­di­gen Zuhö­rer durch­weg ehr­lich und wahr­haf­tig zu sein, min­des­tens es zu ver­su­chen, schrei­be ich Tagebuch.

Es ist mein Ver­such nicht nur eines umfas­sen­den Pro­to­kolls, son­dern mehr noch einer inne­ren Revi­si­on und Rechen­schaft oder gar Ent­gif­tung. Ich las es jedoch nie auch nur eine ein­zi­ge Sei­te zurück. Ich leg­te all die Sei­ten und Hef­te nur ab, gewis­ser­ma­ßen als mei­ne säku­la­re Beichte.

Bis­he­ri­ges Resümee:

Die Hoff­nun­gen meist zu ver­mes­sen, die Schuld durch­aus immens, die Ver­hei­ßun­gen und Erlö­sungs­ver­spre­chen nach bis­he­ri­gem Emp­fin­den so nicht zu geben, obwohl die Men­schen offen­bar ihrer bedürfen.

In einem aller­dings lie­gen Reli­gi­on, Phi­lo­so­phie und All­tags­weis­heit glei­cher­ma­ßen rich­tig: Ein­zi­ge Pflicht­the­ra­pie ist tie­fe Demut, die des kri­tisch geprüf­ten Han­delns eher bedarf als einer Lebens­de­pres­si­on im Gram.

Heino Bosselmann

Heino Bosselmann studierte in Leipzig Deutsch, Geschichte und Philosophie für das Lehramt an Gymnasien.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Sezession
DE58 8005 3762 1894 1405 98
NOLADE21HAL

Kommentare (137)

Mauerbluemchen

29. Dezember 2025 15:05

Verehrter Herr Bosselmann,
Gott segne Sie (auch) für den geduldigen Beistand am Sterbebett Ihrer Mutter, der teuren Verstorbenen aber reqiuem aeternam dona ei Domine et lux perpetua luceat ei, requiescat in pace, Amen.
Vielleicht wird es Ihnen ein kleiner Trost sein, daß es in dieser Welt und bösen Zeit Menschen gibt, die für diejenigen beten, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht beten.

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 15:35

Für jemanden, der wie ich an die Wiedergeburt glaubt, ist die Welt natürlich einfacher und besser zu ertragen.
Ihre Mutter ist schon wieder da, unsere Seele unsterblich. Der Körper nur ein Handschuh, den wir ausziehen wie wenn wir im Winter in eine warme Wohnung kommen.
Wer schlecht ist in diesem Leben wird im nächsten Leben bestraft, und andersherum natürlich genau so.
"eher verdruckst bis geradezu peinlich berührt."
Die Pfarrer glauben nicht an das, was sie selbst predigen. Ich hatte genau die gleiche Erfahrung mit einem Pfaffen und bin ein paar Tage später aus der Kirche ausgetreten. Mein Vater, ein gläubiger und humorvoller Mann, sagte immer: "Junge, werde Pfarrer, da kannst du jeden Sonntag die Leute belügen und bekommst auch noch Geld dafür"
Erst viel später habe ich kapiert was er damit gemeint hat. 
 
 

Ernestina

29. Dezember 2025 15:46

Mittlerweile haben mein Mann und ich einen 35-jährigen Glaubensweg hinter uns. Ursprünglich evangelisch-lutherisch, bin ich nach einigen Irrwegen zur charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche gekommen. Als dort "alles nach links kippte" sind wir aus der Kirche ausgetreten. Ostern 2025 fanden wir den Weg in eine katholisch-traditionalistische Gemeinde, wo wir alles gefunden haben, wonach unsere Seele ein Leben lang gedürstet hatte.  
Dass Glaubensthemen zunehmend im rechten Lager thematisiert werden, finde ich höchst spannend. Besonders interessiert mich dabei zu erfahren, warum Menschen Schwierigkeiten haben, zu einem lebendigen Glauben zu finden. 
Sancta simplicitas - diese hat uns problemlos Zugang zu Glauben und Mystik verschafft. 
Unio mystica - unter welchen Umständen sich dies ereignet, bleibt ein Geheimnis. Unserer Erfahrung nach vor allem im stillen inneren Gebet und ganz besonders im Empfang der Sakramente.
Wenn Geistliche nicht in der Lage sind, existentielle Fragen aus der Sicht des christlichen Glaubens zu beantworten, dann ist das ein Armutszeugnis. 
Sie schreiben am Ende "einzige Pflichttherapie ist tiefe Demut". Stimmt. Ohne Demut gibt es keine Gottesbegegnung. Und so habe ich den Eindruck, dass Sie Gott nicht so fern sind, wie es vielleicht manchmal erscheinen mag... 

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 15:50

Ein Priester, ein Pastor und ein jüdischer Rabbi spielen zusammen Lotto. Sie gewinnen einen grossen Betrag und wollen dafür etwas für wohltätige Zwecke spenden. Der Priester sagt: Wir machen einen Kreis auf den Boden, werfen das Geld in die Luft und alles Geld, was in dem Kreis landet, das spenden wir.
Der Pastor sagt: Nein, wir machen einen Kreis, werfen das Geld in die Luft, und alles Geld was außerhalb des Kreises liegen bleibt, das spenden wir.
Sagt der Rabbi: Nein, nein. Wir nehmen das Geld, werfen es in die Luft, und was Gott davon haben will, das holt er sich...;) 

Le Chasseur

29. Dezember 2025 16:06

@MarkusMagnus"Wer schlecht ist in diesem Leben wird im nächsten Leben bestraft, und andersherum natürlich genau so."
Woher wissen Sie das?

Rheinlaender

29. Dezember 2025 16:21

Den Begriff "glauben" würde ich im religiösen Kontext nicht als das bloße Fürwahrhalten des nicht Beweisbaren definieren, sondern als den Zustand des Ergriffenseins durch Gott, der unter anderem mit der Akzeptanz der Existenz des Übernatürlichen verbunden ist. 
Man kann Gott erfahungsgemäß auch unbekannterweise in Form direkter Ansprache um Antworten bei der eigenen Gottessuche bitten. Diese Antworten können z.B. in religiösen Erfahrungen bestehen, wie sie etwa Rudolf Otto beschrieben hat.
Geistliche können bei der Suche nach Antworten m.E. nur unterstützen, wenn sie selbst glauben, was auch bei stabilen Kulturchristen nicht immer der Fall sein muss.

Gracchus

29. Dezember 2025 16:23

Sehr schöner Text! Ich würde mich für Ihre Fragen, Herr Bosselmann, zur Verfügung stellen, natürlich habe ich aber nicht alle Antworten. Die Wahrheit wird einem wohl schrittweise enthüllt, alles hat seine Zeit, der christliche Glaube enthält auch das Vertrauen auf den rechten Zeitpunkt, den Kairos.
Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Pfarrer oder Christen sich für alles Mögliche zu interessieren scheinen, nur nicht für ihren Glauben ... zu viel Theologie, alles ergrübeln zu wollen, erscheint mir wiederum ungesund.
Nach längerer Abstinenz war ich an Weihnachten wieder in der Hl. Messe, in der ausserordentlichen Form. Das kann ich Ihnen, Herr Bosselmann, empfehlen. Meine mystischen "Organe" werden hierdurch geweckt und genährt.

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 16:48

@ Ernestina
Ich bin evangelisch getauft, aber seit einiger Zeit aus der Kirche ausgetreten.
Haben Sie schon mal im Gebet Gott tatsächlich um etwas gebeten? Das etwas passieren möge, was extrem unwahrscheinlich ist...und dann passiert es? Was denkt man dann? 
Ich hatte solche Erlebnisse. Das macht aus meiner Sicht den Glauben natürlich sehr lebendig. Es gibt Zeichen und Wunder, wir sehen sie nur nicht mehr.
Hier ein Beispiel: 
https://youtu.be/UGPrHj1nPt0?si=X9Q5LPRFsxrLH7Dz
Das die Rennfahrer hier alle mit ein paar blauen Flecken davon kommen, ist eigentlich! unmöglich. Zuviele Variablen. Hier waren Schutzengel am Werk. Man sieht sie nicht, aber man spürt ihre Anwesenheit, selbst per Video. Einer davon - so scheint es - stupst das Motorrad im letzten Augenblick noch so an, das es genau im richtigen Winkel durch die enge Lücke fliegt. Spektakuläre Szenen ohne Zweifel, aber das war mehr als Glück oder Zufall.

Laurenz

29. Dezember 2025 16:50

@HB ... um diese fast religiöse Debatte zu führen, schreiben Sie, meines Erachtens, auf dem falschen Medium. Gehen Sie auf Tichys, sortieren nach Autoren & gehen auf Achijah Zorn, bis vor ein paar Jahren Evangelischer Pastor, vergleichsweise relativ konservativ, in Nibelungentreue der EKD verhaftet, obwohl Er diese häufig, ja oft kritisiert. Als Protestant (auch die waren einst Katholiken) ist er viel mehr der Schrift verhaftet, als die Katholischen theologischen Schulen mit ihrem künstlichen Jesus & seiner künstlichen Mutter. Herr Zorn gibt hoch kontroverse Debatten frei, auf der SiN so unvorstellbar. Da geht es oft tagelang richtig zur Sache. Da gibt es auch keine Lösungen per se, weil ein großer Teil der Zorn-Leser glaubt. Mit Gläubigen gibt es keine Debatten, auch wenn man diese mit der Schrift widerlegt. Auch Kommunisten sind Gläubige. & bei Gläubigen kann nicht sein, was nicht sein darf. Sie gehen auch aus Sicht der Logik in Ihrem Artikel von falschen Prämissen aus, denke ich. Es sind wesentlich mehr Arten ausgestorben (da reicht alle ca. 70k Jahre ein Supervolcano), bevor der Mensch das Licht der Welt erblickte, als zu seinen Lebzeiten. Auch der Steinzeitmensch vernichtete schon das Großwild seit der letzten Eiszeit. Ein Vulkanausbruch der Stärke 3, 4 oder 5 ballert so viel Dreck in die Atmosphäre, wie alle Autos des Planeten in 3 Jahren. Wir haben aktuell wenig Vulkanaktivität, noch vor 200 Jahren glühte nachts die gesamte Küste Mittelamerikas.

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 17:57

@ Le Chasseur
"Woher wissen Sie das?"
Es ist ein Naturgesetz. Oder Karma. 
https://en.wikipedia.org/wiki/Life_Before_Life
Dieses Buch wurde von einem amerikanischen Kinder-Arzt geschrieben, in dem er beweist (!), dass es ein Leben vor dem Leben gibt.
Wissenschaft und Glaube sind nicht gegensätzlich.
"Es ist eine weitverbreitete Meinung, das objektive, materielle Weltbild der Naturwissenschaften und die mystisch-religiöse Welterfahrung würden sich widersprechen. Das Gegenteil ist wahr. Sie ergänzen sich zu einer umfassenden Einsicht in ein und dieselbe geistig-materielle Wirklichkeit.“ 
Albert Hofmann.

Le Chasseur

29. Dezember 2025 18:01

@MarkusMagnus
"Es gibt Zeichen und Wunder, wir sehen sie nur nicht mehr."
Das Problem solcher "Gottesbeweise" ist, dass es genauso viele gegenteilige Ereignisse gibt, wo jemand wahnsinniges Pech hat, und zwar in Alltagssituationen, nicht beim Motorradrennen, wo die Fahrer ihr Glück quasi herausfordern.
 

Dieter Rose

29. Dezember 2025 18:14

@MarkusMagnus
Was ist "schlecht"? Wer bestimmt das? Franz Spirago im Katholischen Glaubensschatz? Ist "gut" schon, wenn man niemandem Schaden zufügt?
@Gracchus
Ging mir kürzlich bei einem Besuch der Tridentinischen Messe ebenso. Eine solche meinten Sie wohl auch.
 

Le Chasseur

29. Dezember 2025 18:17

@MarkusMagnus
"Es ist ein Naturgesetz. Oder Karma."
Wiedergeburt bzw. die Unsterblichkeit der Seele und Karma sind zwei Paar Stiefel. Mich hätte interessiert, woher Sie wissen, dass jemand, der Schlechtes tut, in seinem nächsten Leben dafür bestraft wird. Und ist das dann ein Automatismus oder gibt es eine Wesenheit bzw. Wesenheiten, die als richterliche Instanz fungieren?

Monika

29. Dezember 2025 18:30

Lieber Her Bosselmann, vielen Dank für Ihre intimen religiösen Bekenntnisse. Das ist heutzutage ja fast peinlicher als ein outing seiner sexuellen Vorlieben. Seien Sie versichert, Sie sind nicht alleine. "Wo mir allein je eine Art unio mystica widerfuhr", geschah es ohne pastorale Vermittlung. In den "Buddenbrooks" schildert Thomas Mann (Kapitel 5) ein solches Erlebnis bei Thomas Buddenbrook. Über ihn heißt es: "Der Buchstabenglaube, das schwärmerische Bibelchristentum, war ihm immer fremd gewesen". ...andererseits war "er metaphysisch zu bedürftig, um in der belanglosen Oberflächlichkeit des alten Johann Buddenbrook Genüge zu finden." Er fühlt manchmal eine Neigung zum Katholizismus. Dann liest er Schopenhauer "Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich". In der folgenden Nacht hat Thomas Buddenbrook die Erfahrung einer "unio mystica": "Plötzlich war es, als wenn die Finsternis vor seinen Augen zerriss..."eine ewige Fernsicht von Licht enthüllte sich." Als ich diese Kapitel in den Buddenbrooks las, fühlte ich mich zutiefst verstanden. Als Kind hatte ich eine ähnliche Erfahrung. Und ja, wir gehen immer nach Hause. (Novalis)

Monika

29. Dezember 2025 18:44

@ Laurenz Nein! Die Debatte gehört genau hierher! Arnold Stadler in "Ein hinreißender Schrotthändler " : "Und ich  sehnte mich nach einem Menschen, mit dem ich über Gott reden konnte" ....ohne ausgelacht zu werden. 

Maiordomus

29. Dezember 2025 19:13

@Bosselmann."Sollbruchstelle" der Schöpfung finde ich treffender als "Ebenbildlichkeit", die man eher in den Zusammenhang der Menschwerdung Gottes in Christus zu stellen hätte, eine These, die mit Eckharts "Seelenfunken" in Verbindung zu setzen wäre. Subjektiv habe ich mich bisher noch nie als Ebenbild Gottes erfahren. Mir liegt da das Gottesverständnis Kierkegaards näher, auch das für Rechte bis hin zu Schopenhauerianern  nachvollziehbare Menschenbild von Gehlen, das unweit von Platon, Symposion, den Menschen als Mängelwesen zu erfahren weiss, das scheint mir konkret nachweisbar. Für skeptische Christen liegt es nahe, sich als erlösungsbedürftig zu begreifen. 
@L. Der Begriff "Jesus und seine künstliche Mutter" stammt von meinem Studienkollegen Hermann Burger im gleichnamigen Roman v. 1982, voll von  blasphemischem Zorn, nicht zu vergleichen mit dem vieltausendseitigen Standardwerk "Das Mutterrecht" von Bachofen, dem Freund Nietzsches u. Burckhardts, allgemein religionsgeschichtlicher Lobpreis v. Muttergöttlichkeit. Wohl stärkster Text auf Deutsch über Maria stammt nicht von einem kath. Theologen, sondern aus Zwinglis Predigt v. 14. Sept. 1522 in Einsiedeln, "die ewig reine Magd". Auf biblischer Basis.

RMH

29. Dezember 2025 19:20

Der Artikel von H. Bosslemann - welcher Autor geht auf diesen Seiten eigentlich sonst noch so tief ans "Eingemachte"? Versucht tiefere Schichten freizulegen & unternimmt dabei das Wagnis der radikalen Ehrlichkeit? - hat nicht nur eine reigiöse Ebene. Er hat auch eine klar kulturell-anthropologische Ebene. Wie kommt es, dass sich Menschen "schuldig" fühlen oder irgendwie als Störfaktor auf diesem Planeten empfinden & das bis heute & dass dieses Gefühl auch bei Menschen vorkommt, die nicht religiös sind, Atheisten oder Agnostiker sind? Das hat erst einmal nichts mit Glauben oder zivilreligiöse Nachwirkungen einer einstmals durch & durch mit einer Religion verwachsenen Gesellschaft zu tun. Wenn man der These, dass es schon urzeitliche Hochkulturen vor den bisher bekannten gegeben haben soll, nicht folgt, dann gibt es den Menschen seit ca. 300.000.- Jahren. Der Fundort Göbekli Tepe in der Türkei soll auf 10k vC datieren. >90% der Menschheitsgeschichte ist unbekannt. Seit wann fühlt sich der Mensch als "schuldig"? Es gibt die These, dass der Jäger Mensch erkannte, dass er Tiere tötet, die ihm sehr ähnlich sind & das daraus das Bedürfnis sich entwickelt hat, etwas wieder gut, "heil" zu machen, in dem sich Kulte, Opfergaben etc. ausbildeten.

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 19:26

@ Le Chasseur:
Ich gebe zu, es war ein eher schlechtes Beispiel, weil es eben Gegenbeispiele gibt.
Für mich gibt es sowas wie Glück, oder Pech oder Zufall nicht. In ihrem Beispiel ist allerdings nicht klar, wieso der vermeintlich Unfall passierte. Wenn es Absicht war? Bei den Motorradfahren war es einfach Fahren am Limit.
Und die Wege des Herrn...kenne ich ja selbst! Ich habe einen Selbstmordversuch überlebt und mir wurde klar, wieso mir soviel Sch... passiert ist. Es sind die Auswirkungen meines vorherigen Lebens. Und Selbstmord ist keine Option, weil sich die Probleme nur verschieben.
Manchmal gibt es die Auswirkungen zeitnah, oder erst im nächsten Leben.
Was ist "schlecht"?
@ Dieter Rose
Na, wenn sie das nicht selbst wissen was gut und böse ist...
Mörder und Kinderschänder sind mit Sicherheit keine Guten.

Hesperiolus

29. Dezember 2025 19:39

(Sehr, - privat!) Verehrter Bosselmann, Ihre, und die Ihrer, Hoffnungen können nicht vermessen, aber sie sollten immens sein! - Der Sie so nahe an Camus schreiben und verständlich die Gnosis streifen – nun wollte ich aber einen dummen geo- und darüberhinaus- psychischen Kommentar schreiben, zu Ihrer regionalen Verdüsterung. Der erstirbt mir. - Ob/Daß der Riß verwächst oder nicht, eine Frage, die „die Rechte“ trennt, Kluftaufreissung, nicht wahr? - Jesus Christus, dessen Kreuz vor diesem Riß aufgerichtet ist, wie um ihn zu verschließen - ein häresieträchtig zu diskutierendes Theologoumenon wäre das. - Pflicht, Demut, Kritik? Sie sind, was Wagner sich anmaßte, anscheinend der „deutscheste Mensch“? - Sie sollten, Ihre verehrte Frau Mutter im Herzen (was ich nicht konventionell, sondern fühlend schreibe): ausbrechen: Reisen Sie!

MarkusMagnus

29. Dezember 2025 19:48

@ Monika
"Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich". 
Danke für den Tipp. Ich kenne das Buch natürlich, darin geht es ja um Seelenwanderungen. Ich hatte es nur nicht mehr auf dem Schirm. Fast jeder Mensch hat solche Erfahrungen gemacht, besonders als Kinder. Wir erinnern uns nur nicht mehr, haben es verdrängt, fürchten uns mit anderen darüber zu reden.
Albert Hofman nannte es die "visionäre Schau". Glücklich, wer sowas als Erwachsener erleben darf. Manchmal sieht man eine einfache Blume und sieht in ihr sofort die Schönheit und Perfektion der Schöpfung, selbst wenn man nichts von Gott oder dem goldenen Schnitt wüsste.
 
 

Werner42

29. Dezember 2025 22:59

Ich kann bei diesem Thema immer nur den Brief Gottfried Benns an Lernet- Holenia empfehlen, in dem er dieses Glaubensproblem für mich sehr schlüssig benennt:
https://www.dropbox.com/scl/fi/6tgqm1eeumquphpg0xq2w/Gottfried-Benn-Glaube.pdf?rlkey=r583k7n3hsrgpb0juhky25e1t&dl=0

Laurenz

29. Dezember 2025 23:47

@HB (2) ... da wir weder eine Existenz, noch eine Nichtexistenz Gottes oder von Göttern nachweisen können, sind wir in einer ähnlichen Situation wie die Betrachtung von Schrödingers Katze in der Quantenphysik. Aus rein materieller Sicht sind wir nichts anderes, als organische Maschinen & Rechner. Was mich an Religionen stört, ist die Exklusivität. Als Sie als Lehrer arbeiteten, HB, machten Sie doch Erfahrungen, welche pädagogischen Methoden bei Schülern gut funktionieren & welche weniger, d.h. Sie verbesserten Sich Selbst. Was vor 200 Jahren funktionierte muß heute nicht mehr wirklich gut wirken, ähnlich Franz Bettingers Aderlaß, eine Art mittelalterliche Sterbehilfe. Der Terminus "Erlösung" ist vordergründig spirituell gemeint. Hier setzt meine fundamentale Kritik am Christentum an, die Exklusivität der Wahrnehmung. Wieso soll einen nur ein arbeitsloser Wanderprediger aus Galilea erlösen können? Wieso muß ein päpstlicher Bote über die Visionen von Hildegard von Bingen entscheiden? Wieso soll nicht jeder seine eigenen Visionen, abseits Helmut Schmidts, erleben & sich selbst erlösen dürfen? Die Antwort kennen Sie doch, oder?

Laurenz

29. Dezember 2025 23:59

@Monika @L. ... ich muß Ihnen hier deutlichst widersprechen. Eine von Ihnen zitierte Debatte kommt nur zustande, wenn auch die Ketzer zu Wort kommen & deren Wort nicht im Nirwana des Netzes verschwindet. Ansonsten sitzen Sie in Stalins Politbüro, wo keiner ein Widerwort abläßt oder beim Führer im OKW, wo dieser brüllt, "Das war ein Befehl". Sie können das in keiner Weise nachempfinden, weil Sie als Katholischer Mitläufer nie gelöscht werden. Gerade eben, kommentierte ich diesen schlechten Artikel von BB Wertmetal, mutmaßlich Herr Ullmann, auf Tichys. https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/geldanlage/das-geheimnis-der-templer/ Ob mein Verriß durchgeht, bleibt wage, eher mal nicht. U.a. vertritt der Mann das gewalttätige Christentum der Kreuzzüge & Templer als Irrlehre, völliger Quatsch. Das gewaltfreie Christentum ist eine Irrlehre, denn ohne rabiate & brutale Gewalt gäbe es kein Christentum.

Laurenz

30. Dezember 2025 00:14

@Maiordomus @L. ... "Jesus & seine künstliche Mutter" ... Hermann Burger habe ich nie gelesen & auch sonst diesen Begriff nirgendwo wahrgenommen. Es ist eine schlichte Schlußfolgerung meinerseits. 1. Sie haben Recht, was den Mutterkult per se angeht, der ist aber x-fach älter als der Marienkult der Katholiken, die den Mutterkult schlicht übernahmen. 2. Habe schon häufig Michelangelos Römische Pieta https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Piet%C3%A0 auf der SiN bei unterschiedlichsten Theman angeführt. Sie ist für mich der Inbegriff der bildenden Kunst überhaupt, zum sterben schön. Aber, diese Maria, mit Jesus auf dem Schoß liegend, ist reine theologische Kunst, also künstlich, ganz ohne Blasphemie & hat mit der Neutestamentarischen Maria fast nichts gemein. Die Katholische Kirche ignorierte die vielen Geschwister des Jesus von Nazareth (der bekannteste ist Jakobus, der Herrenbruder), die alle nicht vom Heiligen Geist, sondern in Fleischeslust gezeugt wurden, um die strahlende Reinheit der Jungfrau Maria präsentieren zu können. Außerdem ist die Abstinenz vom Geschlechtsverkehr, zugunsten der Spiritualität, keine ursprünglich Christliche Idee.

Klaus Kunde

30. Dezember 2025 09:09

Ich bin überzeugt, jede Religion ist Menschenwerk, um der Endlichkeit des Daseins Sinn abzugewinnen. Dennoch glaube ich an Jesus Christus und die Auferstehung der Gläubigen. Die Dualität des Menschen? „Das Ding von Jung, Sir“ - Private Joker.
Meine Mutter starb vor zwei Jahren mit 95 Jahren; ihr Geist hatte sich durch schwere Demenz schon Jahre zuvor davon gemacht. Sie war eine liebevolle Mutter; ich habe ihr viel zu verdanken, stellte sie doch in den entscheidenden Momenten gegen alle Widerstände die richtigen Weichen zu meiner schulischen Bildung. Ohne ihr beherztes Eingreifen wäre mein Lebensweg ein völlig anderer geworden. Herr, erbarme Dich Ihrer.
Die gläubige Protestantin wurde in einem Gemeinschaftsgrab ihrer Kirchengemeinde beigesetzt, in dem sämtliche Freunde und Bekannten bereits zur Ruhe gebettet waren.
Die Beisetzung gestaltete sich multireligiös. Es predigten sowohl der Gemeindepfarrer als auch ein türkischer Imam. Der hatte ihr etwa 15 Jahre zuvor unter Einsatz aller seiner Kräfte und Anrufung Allahs das Leben gerettet. Er wußte um Mutters religiöse Ausrichtung; später gestand er mir, für Gottlose hätte er keinen Finger gerührt. Said, so sein Name. Meine Mutter und ich fühlten seitdem enge Verbundenheit.

Monika

30. Dezember 2025 09:44

Ich finde es höchst bemerkenswert und sympathisch, daß Herr Bosselmann seine Gottessehnsucht (Psalm 130 de profundis, d.h. Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu Dir) zum öffentlichen Thema gemacht hat, und zwar von außerhalb einer kirchlichen Sprache (und Sozialisation?). Auch ich musste aus der Kirche austreten, um nicht den Glauben zu verlieren. Auch in einem autonomen Weltverständnis besteht weiterhin die Sehnsucht nach Gott, aber es bleibt ein Dilemma, weil nicht sicher ist, ob dem Transzendieren eine reale Transzendenz entspricht. So wird diese Sehnsucht nach Gott zu einer Privatangelegenheit, die in der modernen Gesellschaft keine allgemeine Bedeutung hat. Das klingt zunächst harmlos und vernünftig, aber was wird damit indirekt ausgesagt ? Dadurch wird eine nicht wissenschaftlich-technisch-rational verstandene Sicht auf die Welt unmöglich gemacht, wissenschaftliche Erkenntnis wird zur einzigen und damit totalitären Erkenntnis. Von der Wissenschaft wird ehrfürchtig wie von einer unfehlbaren Gottheit geredet, Wissenschaftler treten auf wie moderne Priester und Prediger. 1/1 ff

Dieter Rose

30. Dezember 2025 09:53

@MarkusMagnus
"Na, wenn sie (Sie?!) das nicht wissen...", schlecht ist, wenn das, was ich tue, anderen schadet. Und das, was nach Einschätzung anderer gut ist, darf von mir auch als schlecht eingeschätzt werden und vice versa?

Gracchus

30. Dezember 2025 09:55

@Laurenz: Sie labern mal wieder zu viel. Schreiben Sie doch ein Buch: "Selbsterlösung durch Gelaber". Vielleicht bringt Antaios es.

Monika

30. Dezember 2025 09:57

1/2 "Ohne transzendenten Rückzugspol sind wir dem Ungeheuer Welt eingefügt", schreibt Peter Sloterdijk. Das muß man sich in aller Konsequenz vor Augen führen. Man ist in eine so verstandene Welt eingesperrt. Wer daraus ausbrechen will, kann das zwar tun, aber nur im stillen Kämmerlein und ohne die Gewissheit einer Verbindlichkeit. Persönliche religiöse Erfahrungen werden lächerlich gemacht, erhalten einen esoterischen Beigeschmack - im schlimmsten Fall wird man zum Verrückten erklärt. Václav Havel hat darüber tiefgängig geschrieben (in Politik und Gewissen): "Der Mensch misst seiner individuellen, d.h. seiner vor-objektiven Erfahrung der Welt keine Bedeutung mehr zu, er versteht sie als bloß "Intimes", ist verschämt und erlaubt einer 'objektiven' Außenwelt, darüber zu befinden." Eine von konkretem Menschsein befreite Objektivität, das Konstrukt eines rationalen Weltverständnisses, erlaubt Soziologen, Psychologen, Medizinern, sogenannten Experten und, ja, das muss man fairerweise eingestehen, auch einigen Theologen, über unsere intimsten Erfahrungen zu bestimmen. ff

Monika

30. Dezember 2025 10:08

1/3 Es gilt, die Gottfähigkeit und Glaubensfähigkeit als tiefste Potenz ( potentia oboedientalis) des Menschen zu verteidigen. Jene "passive Fähigkeit des Menschen, demzufolge er in jedem Augenblick von Gott her angesprochen werden kann. Was hat das nun mit der Politik zu tun ?  Da das "Endliche nicht alles hergibt" ( Elmar Salman) , braucht es "einen Horizont, der über das Endliche hinausreicht." Den finden wir bei den etablierten Parteien nicht, auch nicht bei den mit den C vornedran. Bei rechten Christen ? Wir werden jedenfalls nicht umhin kommen, uns mit diesen Fragen zu beschäftigen, wenn wir als Gesellschaft nicht überfordert werden wollen, zumal die Volkskirche am Ende ist https://www.kirche-und-leben.de/artikel/elmar-salmann-afd-nutzt-die-stete-selbst-ueberforderung-der-gesellschaft

Laurenz

30. Dezember 2025 10:37

@Gracchus @L. ... Wer weiß, Gracchus, vielleicht hätte ich, als großer Schwätzer vor dem Herrn, Katholischer Priester werden sollen, bin ich doch laut Ihrer Sicht der Dinge geradezu prädestiniert für diesen Job. Und so viel Latein, wie unsere Katholischen Afrika-Importe der Kurie hätte ich auch noch hinbekommen. Und was leisten Sie, Gracchus? Winkeladvokatie? Überzeugen Sie mich vom wahren Glauben. @Monika ... besteht weiterhin die Sehnsucht nach Gott ... hier unterscheiden sich abrahamitische Religionen, besonders das Christentum, von anderen Weltanschauungen. Das Christentum verspricht eine höhere, gerechte Instanz, bezahlt mit Gefolgschaft & Unterwerfung. Andere Weltanschauungen sehen einen diplomatischen Umgang mit höheren Mächten vor, das Heidentum ein zufälliges Heilsversprechen, welches mit oder gegen einen ist. Kann daher weder was mit dem Katholizismus eines Jordan Peterson, noch mit dem Atheismus von Christopher Hitchens was anfangen, wobei mir die Argumentation & Haltung Hitchens bei Ihrer Sehnsucht nach Gott schon sehr plausibel erscheint. https://youtu.be/IPD1YGghtDk Ich sehe eher eine Ko-Existenz mit höheren Mächten, wobei die Sterblichkeit einen Vorteil in Auseinandersetzungen verspricht. Gott oder Götter haben etwas zu verlieren, wir nicht.

Rabenkaiser

30. Dezember 2025 10:45

Ihre Erfahrungen von Nähe und stiller Präsenz am Sterbebett Ihrer Mutter haben mich sehr bewegt. Ihr Text führte mich in ein melancholisches Zurückdenken an das Sterben meines Vaters, der mit 60 Jahren ging. Damals sprach ich – mehr zu mir selbst – Camus’ Worte: „Und ein Stein zwischen Steinen ging er in der Freude seines Herzens wieder in die Wahrheit der unbeweglichen Welten ein.“ Ich fand Trost in diesen im metaphysischen Sinne trostlosen Worten – vielleicht gerade, weil sie nichts versprechen. Nach der Lektüre blickte ich gestern Abend noch lange in einen sternklaren Himmel und spürte erneut diesen kaum auszuhaltenden Kontrast: hier der zerfallende Leib eines geliebten Menschen, dort die unendliche Tiefe und stumme Gleichgültigkeit des Universums. In diesem seltenen Spüren liegt für mich der höchste Grad an Wahrheit. Jeder Versuch, solche Augenblicke begrifflich zu fassen oder in Erlösungsmodelle zu pressen, mindert sie. Vielleicht liegt jenseits des privaten Ausdrucks im Tagebuch noch eine andere Möglichkeit: „Ohne den Imperialismus des Begriffs“, so Cioran, „hätte die Musik die Stelle der Philosophie vertreten können: das wäre das Paradies der unsagbaren Evidenz gewesen, eine Epidemie von Ekstasen.“

Maiordomus

30. Dezember 2025 10:57

@Laurenz. Die 22seitige beim Schwaben Froschauer gedruckte Predigt von Zwingli in Einsiedeln aus Anlass der dort alle 6 Jahre gefeierten Engelweihe ist eine konsequent bibelorientierte Marienpredigt, auf Basis des damals von Erasmus edierten kritisch durchgesehenen griechischen Neuen Testamentes. Zwingli widmete den Text seinen 5 Brüdern im Bergtal Toggenburg zur Rückweisung seiner angeblich mangelnden Marienverehrung, die in der Tat auf den Streit zwischen der Befleckten und Unbefleckten Empfängnis nicht mal einging, weil nur indirekt bibelbezogen, allenfalls aus der christlichen Mystik erklärbar und aus der Phänomenologie der Heiligkeit der Mutter, eine Basis auch von Bachofens "Mutterrecht", das ich mal von einem meiner besten Schüler erarbeiten liess. Die Heiligkeit der Mutter ist mit ein Grund, warum Muslime auf Beschimpfungen wie "Motherfucker" und "Hurensohn" dann und wann mit dem Messer reagieren. So dachte seblber auch Ignatius v. Loyola, als im Gespräch mit einem reitenden Muslim dieser nur die Jungfräulichkeit Mariens vor der Geburt einräumte, aber nicht nachher, was Ignatius als Schmähung interpretierte. Er überliess die Entscheidung, ob er den Muslim töten müsse, seinem Esel, falls dieser bei der nächsten Wegkreuzung diesem folgen würde. Es geschah nicht, so dass nicht zugestochen werden musste...  Ein "Gottesurteil"!    

RMH

30. Dezember 2025 11:00

"Der Mensch erscheint so erlösungsbedürftig wie erlösungsunfähig".
Sowohl zur Erlösungsbedüftigkeit als auch Erlösungsunfähigkeit habe ich in der bisherigen Debatte keine Antworten oder Erklärungen finden können, allenfalls kann man diese sinnentnehmend in einzelnen Debattenbeiträgen lesen. Warum sieht ein Mensch, der in einer offiziell atheistisch, sozialistischen Gesellschaft groß geworden ist, den Menschen als erlösungsbedüftig an? Unabhängig davon meine Urfrage, die ich schon seit Jahrzehnten ab & an an sog. Gläubige gestellt habe, warum braucht der Mensch einen Gott, der den Schlußpunkt der eigenen Schöpfung letztlich als Pfusch verworfen hat & die "Nachbesserung" nur an das Überspringen gewisser Stöckchen im Diesseits knüpft & die Mängelfreiheit dann nur nach dem Tode (oder für die wenigen, die den jüngsten Tag erleben, dann an diesem) herstellt?
Persönlich habe ich das Mittelalter, Thomas v. Aquin etc. in diesen Fragen bewundert, weil sie versucht haben, einen Gott rational zu erklären. Um so heftiger dann die irrationalen Rückschläge der Mainstream-Moderne , die rational Gott ablehnt, um dann um so irrationaler im Ergebnis zu werden. Für mich ist Glaube am Ende etwas Irrationales & daher bewahre ich ihn in meinem irrationalen Ich für mich auf & drücke mich um den Missionsbefehl. 

Umlautkombinat

30. Dezember 2025 11:19

@Monika
 
Ihre Ableitungen sind die Typischen eines christlich Glaeubigen. Ich moechte trotzdem einmal eine andere Variante einwerfen. Das liegt daran, dass der Autor 1) den m.E. wesentlichen Punkt fuer die pure Existenz von Religion aufwirft, aber auch 2) diesen fuer sich selbst bewusst offen laesst.
 
Ich denke als Atheist naemlich auch, dass Transzendenz das Schluesselwort ist. Zuerst einmal das Vertraegliche, die in die Vergangenheit ("Rueckbindung"). Aber besonders die Zweite, die in die Zukunft.
Es ist nun keineswegs so, dass Atheisten, oder/aber auch generell Befuerwortung von Wissenschaftlichkeit etc. zwingend irgendwie "eingesperrt im Gegenwaertigen" usw./usf. stumpfes vor sich Hinvegetieren implizieren. Das sind im Gegenteil Angriffe der anderen Ecke, wie das Vokabular schon aufzeigt.
 
Denn vor der Frage nach Transzendenz - ganz persoenlich, das Darueberheben selbst ist oft genug eine Immunisierung (aber nicht immer) - steht jeder, auch der Atheist, aber der Anspruch an die Antwort ist groesser :). Uebernatuerliches wird an der Wahrscheinlichkeit seiner Richtigkeit gemessen, nicht z.B. der eigenen Verzweiflung. Und da verliert es immer wieder neu. Die Erklaerungen sind im Vergleich zu Wissenschaftlichkeit in Bezug auf dieselben Phaenomene aus meiner Sicht nahezu immer viel zu unterkomplex (oft z.B. durch Anthropomorphie), etwas was alle Sophisterei nicht verdecken kann.
 

Maiordomus

30. Dezember 2025 12:10

RMH. Ob Glaube etwas a se Irrationales sei, bloss weil er Grenzen des Rationalen voraussetzt, ist mindestens im Prinzip wohl ein Denkfehler.Beachten Sie Goethes Bemerkungen aus den Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan, wo er Epochen des Glaubens als im Prinzip fruchtbare Epochen charakterisiert, während die Epochen des Unglaubens potentiell unfruchtbar seien und vielfach trocken blieben. Dies wird auch durch die Geschichte der Naturwissenschaften nicht widerlegt, zumal nicht durch Roger Bacon, generell die Erfinder des Nominalismus, am allerwenigsten durch Kepler und Newton, und letztlich bzw. vorletztlich auch nicht durch Kant.  Bei den bedeutenden Theologen katholischen und protestantischen auch orthodoxen Glaubens vernachlässigt man regelmässig die naturwissenschaftlichen Genies, siehe den bedeutendsten Gelehrten Kroatiens, den Jesuiten Boskovitch, im alten Oesterreich-Ungarn den grandiosen Priester und Logiker Bernard Bolzano, der es natürlch wie Teilhard schwer mit der Kirche hatte und niemals zu vergessen den späten Wittgenstein. Dass im übrigen Popper diesem widersprach, bleibt wohltuend, wie auch dessen, Poppers Dictum, "Theologie ist ein Fehler", ausgessprochen bei einer Tagung an der Seite von Hans Jonas und Eibl-Eibesfeld im Kongress Haus Zürich, wo ich mit einem meiner wirklich starken Schüler (als Fotograf engagiert= ebenfalls zugegen sein durfte, von Popper, der was gegen Verehrer hatte, meinerseits Kritik einsteckend.       

Adler und Drache

30. Dezember 2025 12:47

Wiewohl mich der Text sehr berührt, lässt er mich doch zugleich mit einem fragenden Stirnrunzeln zurück. Das ist recht einfach zu erklären: Die "Erlösungsbedürftigkeit" setzt ja voraus, dass sich der Mensch im Wesentlichen nicht durch die eigenen Kräfte aus der Klemme zu helfen vermag, er also auf "Rettung" durch höhere Mächte angewiesen ist. Er ist der passive Part bei der ganzen Geschichte. Das ist, soweit ich es überblicken kann, keine spezifisch christliche, sondern eine allgemein "weisheitliche" Sicht der Dinge; man trifft z.B. auch in der Stoa auf derartige Gedanken. - Worin bestünde nun aber die "Erlösungs(un)fähigkeit", wenn es doch auf die Fähigkeiten des Menschen von vornherein gar nicht ankommt?
Das Zeugnis über die Pfarrerschaft ist natürlich entsetzlich, allerdings setzt eine Krise immer auch Kräfte in beide Richtungen frei, sowohl nach unten als auch nach oben. Ich kenne mittlerweile doch etliche evangelische Kollegen, die, wie man so sagt, ihr Amt wirklich ausfüllen.   

Ekstroem

30. Dezember 2025 12:54

Danke, werter HB, für den Artikel. Danke auch für die Kommentare. Was ist der Sinn? Worum geht es im Leben? ... Das sind die Fragen. Jeder ist hier auf seinem Weg, auf dem es mAn kein richtig oder falsch gibt. Jeder findet seine Antworten, wenn er denn danach sucht. Auch hier kein richtig oder falsch. (Dies ist keine Beliebigkeit oder das Unsägliche "Anything goes." Etwas anderes.)

Maiordomus

30. Dezember 2025 13:01

@bBosselmann. Das mit der relativen Ewigkeit der Lebenskraft nach Schopenhauer, Bergson nannte es "élan vital", war letztlich Wiederholung der Weisheit von Heraklit und Anaximander. So versuchte A. Sch. seine eigene Lebenszeit zu bewältigen. Dabei ist er leider in die Falle des Monismus getappt, als Fussnote jenes Zeitgeistes, innerhalb desselben man Kants Frage nach dem "Ding an sich" zu beantworten versuchte, vgl. Fichte, Hegel u. Co. Kierkegaard  ist dieser Falle entronnen, aber nur, indem er den "Sprung" in den Glauben riskierte, Letzteres eine Figur mystischen Denkens, vgl. Mystische Denkbilder, 2. Auflage 2020 v. A.M. Haas. 
@L. Sie haben recht, dass diese Debatte unter Ausklammerung der Ketzer nicht geführt werden kann. Das Einzige, was Sie sich hierzu aber trotzdem sagen lassen müssen, scheint, mir , dass auch das "Ketzer-Sein" erarbeitet werden muss, sonst bleibt man lediglich ein Sektierer. Wenn man denkt, dass zum Beispiel der Pfarrersohn Nietzsche noch immer enorm viel vom Christentum hat, dass man denselben ohne dasselbe nicht verstehen kann. Sonst gehört man nur, gemäss N's Parabel "Der tolle Mensch", zu denjenigen, "die (nur) herumstehen und nicht an Gott glauben", letztlich aber mit diesem Nichtglauben nichts anfangen können, insofern die Emanzipation verfehlen. Vgl. "Holzwege" v, Heidegger.    

Carsten Lucke

30. Dezember 2025 13:10

Wenn hier sich Heino Bosselmann quasireligiöser Themen annimmt, interessiert das natürlich auch den Atheisten.
Umso ärgerlicher ist es, wenn dann im Kommentariat peinlich Infantiles eingestreut wird, flankiert von krudester "Beweisführung" (Schutzengel, Wiedergeburt mit Bestrafung/Belobigung usw.) !
Daß da Einer wie Jesus sich nicht nur im Grab umdreht, sondern gleich in den Himmel enteilt, ist dann wirklich kein Wunder.
 

Ekstroem

30. Dezember 2025 13:11

Der Mensch tatsächlich ein Ebenbild Gottes? @HB Dieser und der nächste Absatz Ihres Artikels weisen mAn auf eine Brücke. Der Riß, von dem Sie schreiben, kann überbrückt werden. Jeder ist sehr viel mehr als "nur" ein Mensch - ein göttliches Wesen, verkörpert als Mensch. Als dieses göttliche Wesen, Seele, ist jeder ein "Ebenbild Gottes". 

Gracchus

30. Dezember 2025 13:11

@Umlautkombinat, Monika
"Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit" - ich weiß nicht genau, worauf sich Wahrscheinlichkeit in dem Kontext beziehen soll. Wunder geschehen, auch wenn sie unwahrscheinlich sind. Wenn man beispielsweise die im Neuen Testament geschilderten Heilungswunder bezweifelt, weil diese viel zu unwahrscheinlich seien, ist dies etwas lahm, weil es ja keine Wunder wären, wenn ihre Wahrscheinlichkeit hoch wäre. Man kann natürlich von vorneherein ausschließen, dass Wunder geschehen. Das ist dann aber reine Vorannahme. Das naturwissenschaftliche Weltbild löst den konkret gegebenen Weltbezug des Menschen in Wahrscheinlichkeitshypothesen auf. Ein Verständnis, das den Innenbereich des Mensch ausspart oder zu einem rein materiellen Epiphänomen erklärt und das Lebendige aus dem Toten, das Höhere aus dem Niederen, erscheint mir nun auch nicht sonderlich komplex.

Laurenz

30. Dezember 2025 14:03

@Maiordomus @L. ... Ketzertum ... Ich behaupte mal dämlich, daß im völlig unklassifizierten modernen Heidentum Carlos Castaneda & Eckhart Tolle die beiden bekanntesten Vertreter sind. Auch der Latino Castaneda (u.a. mit Deutschen Wurzeln) kann Seine christliche Sozialisierung nicht verleugnen. Das tröpfelt hin & wieder in Seine Werke mit ein. Das heißt aber noch lange nicht, daß dies ein Vorteil sei. Auch Goethe gilt als unser größter Heide der Moderne, auch das heißt nicht, daß Sich, trotz brillanter Geister, diese Sich nicht täuschen können. Die von Ihnen gegenüber RMH zitierte Äußerung Goethes über die Fruchtbarkeit in Epochen des Glaubens ist schlichtweg falsch. Ohne Renaissance & Aufklärung, wider den Willen der Kirche, hätte es Ihre historisch intellektuellen Debatten gar nicht gegeben. Beide Strömungen entkernten die Wahrhaftigkeit, Castaneda würde sagen Makellosigkeit, der Gläubigen. Keiner weiß hier Bescheid, auch Ihre größten geistigen Kompetenzen nicht. Daran kommen Sie nicht vorbei, Maiordomus. Ohne Partei zu ergreifen, stellten in 1991 Bruce Beresford & Brian Moore im Film Black Robe 2 spirituelle Welten (Jesuiten & Indianer) um 1634 mit allen Konsequenzen gegenüber. Nichts für schwache Nerven, aber jede Szene lohnt. https://youtu.be/lESu_3OqoPE

Majestyk

30. Dezember 2025 14:05

"Sie labern mal wieder zu viel. Schreiben Sie doch ein Buch: "Selbsterlösung durch Gelaber"." wirft Gracchus Laurenz an den Kopf. Schönes Beispiel für Regelauslegung nach Sympathie. Austeilen kann der Advokat Gracchus, nur mit dem Einstecken hapert es.
 
@ Laurenz:
"Eine von Ihnen zitierte Debatte kommt nur zustande, wenn auch die Ketzer zu Wort kommen & deren Wort nicht im Nirwana des Netzes verschwindet."
Mit Gläubigen kann man nicht über Glauben debattieren, ähnlich wie mit Fußballfans über deren Verein. Es ist doch eh so, jeder beschwert sich über fehlende Meinungsfreiheit, kaum jemand gewährt sie dem anderen. Hier macht SiN keine Ausnahme.
 
Maiordomus schrieb über BB einen schönen Satz, daß diese von einer ästhetischen zu einer ethischen Existenz fand. Ich habe mir in jungen Jahren mein späteres Leben anders vorgestellt. Durch falsche Entscheidungen, zu spät überwundene Fehlprägungen, einigen äußeren Einflüßen kam es anders. Früher führte ich ein eher körperliches Leben, meine größte Passion war einst der Sport. Meine Selbsterneuerung durch Überwindung falscher Prägung fand auf geistiger Ebene statt, hat viel mit loslassen zu tun und Akzeptanz des eigenen Lebens wie es ist.
In einem gewissen Sinn habe ich meinen Frieden mit mir selbst gemacht. Auch das ist eine Form von Erlösung und zwar aktiv aus dem eigenen Innern. Sich frei machen können auch wir Ungläubigen. 

Maiordomus

30. Dezember 2025 14:10

@Ekstroem. Schön wär's mit dieser Ebenbildlichkeit, von der Milliarden vielleicht nie eine Ahnung vermittelt bekommen haben. Und andererseits gibt es in der ganzen deutschen Literatur wohl keine bedenkenswertere Mahnung als diejenigen ausgerechnet des Teufels in Goethes Faust, dass es uns, bzw. den Gläubigen der Ebenbildlichkeit, "bei dieser Ebenbildlichkeit" endlich bange werden möge. Es ist nachgerade tragisch, dass Mephisto, nicht Faust, der Klügste in diesem bedeutendsten deutschen Drama gewesen zu sein scheint. Glücklicherweise gibt es in Europa aber noch Sophokles und Shakespeare, für Katholen und überhaupt Gläubige allenfalls Calderon nicht zu vernachlässigen.  Oder Solschenizyn, "Das Lächeln des Buddha", eingeschobene Meisternovelle in "Der erste Kreis der Hölle", so wie bei Dostojewskij die Legende vom Grossinquisitor in den "Brüdern Karamasov", wohl noch ergänzt durch den Film "Der Stalker" von Tarkowski. Der Stalinismus mit der grandiosen Produktionsfirma Mosfilm erbrachte die unentbehrlichen Verbots-Bedingungen für einen religiösen Film, den Hollywood auf diese Weise mit seinem lächerlichen Pathos nie hingekriegt hätte. Da finden Sie, @Ekstroem, jedoch nichts mehr von "Ebenbildlichkeit", nur irres Gestammel des letzten grossen "Idioten" der Christenheit: "Das Wi-Wi-Wi-Wichtigste im Le-Le-Leben ist der der Gl-Gl-Gl-Glaube!"   

Monika

30. Dezember 2025 14:10

@ Umlautkombinat 
natürlich kann ich zunächst nur christlich ableiten, weil ich eben streng katholisch sozialisiert wurde und auch Theologie mit "durchaus heißem Bemühen studiert habe". Ich bin dadurch allerdings nicht klüger geworden. Ich denke auch nicht, daß man ohne Transzendenzbezug " stumpf vor sich hin vegetieren" muß. Wie heißt es in Theodor Storms Gedicht "Größer werden die Menschen nicht": "Edel lebe und schön/Ohne Hoffnung auf künftiges Sein/Und ohne Vergeltung/Nur um der Schönheit des Lebens willen. Das mag angehen. Aber auch "nur" um der Schönheit des Lebens willen kann man zu Gott finden. Nicht nur aus Verzweiflung. Theodor Storm hatte bekanntlich heftige Todesängste zu durchstehen. https://www.textlog.de/storm/gedichte/groesser-werden-die-menschen-nicht

Maiordomus

30. Dezember 2025 14:25

@Carsten Lucke. Haben Sie sich jemals ernsthaft mit Engeln beschäftigt? Noch für den Ungläubigen Popper war Goethes Prolog im Himmel mit ausgerechnet den dort präsentierten Engel-Rollen der schlechthin bedeutendste, vielsagendste und sprachgewaltigste Text der deutschen Literatur. Auch wenn es natürlich nichts beweist, glauben heute in der westlichen Welt eher mehr Leute an Engel oder was immer man darunter zu verstehen glaubt, siehe auch noch die bösen Exemplare, als an Gott oder den längst zur Karikatur entarteten Teufel, unter dessen Gattungen Mephistopheles noch am ehesten wenigstens als literarische Figur ernst genommen wird. Er ist ernst zu nehmen, ein grandioser Theologe, auch Ontologe.  Den Schutzengel erwähnte ich im Zusammenhang mit Brigitte Bardot, eine doch eher unterschätzte Figur in der europ. Frauengeschichte. Vgl. youtube  "Bardot und was sie einem Manne nicht verzeihen" konnte. Sonst als bestes atheistisches Buch der letzten 100 Jahre Ihnen, @C. Lucke,  zu empfehlen: "Nichts" v. Ludger Lütkehaus, auch ausgezeichnet mit dem Mächler-Preis aus dem Umfeld von K.H. Deschner. Ein respektabler Schmöker! Als besten christlichen Engel-Spezialisten empfehle ich im übrigens Alfons Rosenberg, u.a. seine Studie über Michael, den Engel Deutschlands, Festtag in dieser Eigenschaft der 8. Mai! Da hält kein Weizsäcker mit! 
 
 

pasquill

30. Dezember 2025 14:34

Das untilgbare metaphysisch-spirituelle Bedürfnis in uns muss nicht zwingend auf religiöse Art  befriedigt werden; auch nicht-religiös lässt es sich stillen oder zeitweilig beruhigen. Traditionell ist Philosophie auf das Ganze gerichtet, greift aus ins Kosmische und Göttliche, will den Ursprung und das Absolute denken. Zugleich jedoch treibt sie die Kritik daran aus sich hervor, zeigt, dass wir Gott nicht beweisen können und das Ursprungsdenken nicht in Erkenntnisse mündet, son­dern in den striktesten aller Widersprüche. Vereint mit den Naturwissenschaften treibt sie uns Menschen die Hoffnung auf absoluten Sinn aus, ja auf Sinn überhaupt, und stattdessen immer uner­bittlicher in den Naturzusammenhang hinein, bis schließlich metaphysischen Fragen selbst unter absoluten Sinnlosigkeitsverdacht geraten. 
Physik- und philosophiegesättigt ist mir der Weg in den Glauben an Gott und ewiges Seelenleben versperrt, selbst wenn ich ihn gehen wollte. Hinter die übermächtigen Argumente der philosophischen Gottes- und Religionskritik gibt es kein Zurück. Als Agnostikerin glaube ich mit Nietzsche, „Gott ist tot“, und wir sind unausweichlich irgendwann tot ohne Gott.

pasquill

30. Dezember 2025 14:36

Doch das Verdikt gegen die Metaphysik muss nicht das letzte Wort behalten. Das Bedürfnis nach Transzendenz und Spiritualität weicht auch im nachmetahysischen Zeitalter nicht und findet säkula­re, selbst-aufgeklärte Wege. Spiritualität beschränkt sich nicht auf Religiosität, sondern kann eine grundlegende philosophische Geistorientierung bezeichnen, eine gemüthafte Vertiefung einer Gefühl und Verstand umfassenden inneren Haltung zur Welt, die auch die tragischen Momente des menschlichen Daseins einschließt. Dazu kann ebenfalls aus dem Fundus der Philosophie geschöpft wer­den: Stoiker,  Epikureer und Mystiker finden sich in allen Jahrhunderten. Und selbst dem, der sich der Illusionslosigkeit und Ernüchterung stellt, kann die melancholische Hintergrundmusik der pessi­mistischen Tradition der Philosophie Sinn und Trost verschaffen. 

Majestyk

30. Dezember 2025 14:56

@ RMH:
"Warum sieht ein Mensch, der in einer offiziell atheistisch, sozialistischen Gesellschaft groß geworden ist, den Menschen als erlösungsbedüftig an?"
Ist der Sozialismus nicht selber Heilsversprechen und Erlösungsreligion?
Wer dann aber aufmerksam hinschaut und bemerkt, wie jener Sozialismus nicht erlöst, sondern nur andere Zwänge schafft, wird seine Antworten doch außerhalb des Sozialismus suchen, so er selbstständig denkt.
Im Grunde habe ich nichts dagegen, wenn Menschen Kraft im Glauben suchen. Was ich so gar nicht mag, ist Missionierung oder Ungläubige/Andersgläubige so hinzustellen, als seien diese doof oder ethisch minderwertig. Und dabei bin ich nicht einmal Atheist, eigentlich auch nur ein Glaube. Der Atheist ist ja auch nicht schlauer. 
Ich lehne nur den Gedanken ab, mir durch Glauben Zutritt zu was auch immer verschaffen zu können, als könne man im hiesigen Leben einen Handel mit Gott machen und als wüßte man wirklich, was ein Gott vom Menschen erwartet. Kann nicht erkennen, daß Gott was für mich tut, wozu jetzt schon dankbar sein?
Zudem glaube ich nicht, daß man mit Glauben jener Gegenaufklärung begegnen kann, die gerade ziemlich reale irdische Bedrohungen schafft. Vielleicht kommt manch einem jene Gegenaufklärung ziemlich gelegen. Jedenfalls sehe ich nicht, daß heutzutage weniger geglaubt wird. Man glaubt nur andere Dinge und hat mit den Medien oder den Parteien andere Prediger. Insofern wohnt dem Menschen vielleicht eine Sehnsucht nach Glauben inne.

Ekstroem

30. Dezember 2025 14:59

@Maiordomus Ist "bange werden" nicht Bestandteil des Spiels, von dem Shakespeare spricht? ("Die ganze Welt ist eine Bühne...") Katharsis nannten die Griechen einen Grund ihrer Bühnenstücke. Die Seele macht in dem (scheinbar) endlosen Spiel alle Arten von Erfahrungen, (Lila nannten es die Indo-Germanen) um schließlich das Rad der Wiedergeburten zu verlassen - und Freiheit zu erlangen.

Majestyk

30. Dezember 2025 15:02

@ pasquill:
"wir sind unausweichlich irgendwann tot ohne Gott"
Sterben muß jeder. Leben kann man auch ohne Gott bzw. den Glauben an Gott. Beweisen Abermillionen Menschen und zig andere Lebensformen jeden Tag.

Umlautkombinat

30. Dezember 2025 16:11

@Gracchus

Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit

Nichts Kompliziertes: Sie haben eine Frage aus dem relevanten Kontext - sagen wir "Wiedergeburt", "es gibt hoehere Wesenheiten" und suchen eine Antwort nach verschiedenen Praemissen - hier enger: religioes vs. (natur-)wissenschaftlich. In meiner Welt erfuellen alle uebernatuerlichen Varianten oft nicht einmal die Grundbedingungen an eine bemerkenswerte Aussage. Das ist mit Wahrscheinlichkeiten gemeint (oben: gering).
 
Heisst nicht, dass Naturwissenschaften nie falsch laegen. Aber der Umgang mit solchen Schwierigkeiten ist fuer derart Arbeitende selbstverstaendlicher Bestandteil ihres Umgangs damit. Dazu springen sie aber z.B. nicht von einem Wunder oder von einem alten Buch zum naechsten, selbiges mit "Autoritaeten", sondern laesst ganz andere Strenge in der Pruefung walten, gerade auch in der Einbeziehung widersprechender Aussagen, die sich aber genauso beurteilen lassen muessen. Das allein ist dem Glaeubigen oft genug schon unmoeglich! 
 
Ersteres Umgehen aus dem letzten Satz mit einer Frage ist das, was ich als "unterkomplex" bezeichne. Keinerlei Abbindung an gerade auch naturwissenschaftliche Erkenntnis, geradezu mutwilliges Negieren ohne irgendwelche besseren Argumente, keine belastbaren Prinzipien. Auch eine Schwaeche moderner Philosophie, die das genau so haeufig uebergeht und Diskussionen auf ihre schwachen eigenen Begrifflichkeiten begrenzen meint zu koennen (Hermeneutik, vulgo Zirkelwichs).

Olmo

30. Dezember 2025 16:16

@MarkusMagnus
Wiedergeburt.
Das hieße: er ist wieder da! Was für eine Vorstellung!
Da ich keinerlei Erinnerung an mein Ich vor meiner Geburt besitze und mein neues Ich nach meinem Tode vermutlich keine an mich haben wird, ist es doch irgendwie gleichgültig, ob ich wiedergeboren werde oder auch nicht?
 

RMH

30. Dezember 2025 16:42

"und zig andere Lebensformen jeden Tag."
@Majestyk 1: Das ist eine Aussage, die wir nur mit hoher Plausib. vermuten können, aber nicht beweisen können. Ggf. fühlen sich auch Tiere in einer höheren Ordnung zu Hause & haben eine eigene "Spiritualität", wer weiß es schon. Das ist ohnehin das Kernproblem bei allen rein rationalen & "wissenschaftlichen" Aussagen zu diesem Themenkreis. Wissen, tun wir nach wie vor nichts (Sokrates) oder nur sehr wenig. Die Dinge "zwischen Himmel & Erde", die wir nicht erklären können, sind nach wie vor Legion. Es bleibt, dass der Mensch das "Tier" ist, welches sich bewusst ist, dass es einmal sterben wird & wenn man die Angst vor dem Tode schön weg "rationalisieren" kann, dann doch nur recht wenig die, vor dem Sterben. Auch ist der Mensch in der Lage zu begreifen, was er tut, wenn er bspw. ein Tier tötet, um es zu essen. Der Mensch begreift den Eingriff, den er damit ganz "natürlich" macht. Es wird einen evolutionären Vorteil geben, wenn der Mensch an etwas nach dem Tode glaubt, sonst wäre das nicht Bestandteil von wohl allen Kulturen, bis auf die moderne. 

RMH

30. Dezember 2025 16:44

@Majestyk 2:
Wo ich, @Majestyk, bei Ihnen bin, dann ist es die Verachtung des mitleidigen Christengesichts, dem scheinheiligen Gesäusel, welches einem gerne von Pfaffen & sonstigen Vorbetern & Hostienverteilern etc. präsentiert wird, wenn man einmal leichte Zweifel an dem Ganzen äußert. In der Zuweisung der Rolle eines verlorenen Schafes, für welches "man betet" oder das man "in seine Gebete einschließt", liegt ein ziemliches hohes Maß an passiver Aggression, welches einem echten Dialog nicht zuträglich ist.

j12U18

30. Dezember 2025 16:49

Wenn Sie vom Schlachthaus schreiben, muss ich an Ted Kaczynski denken, dessen Überlegungen zur industriellen Revolution denken lassen, dass wir als Menschen zu viele Schritte übersprungen haben. Vielleicht sind wir viel zu schnell gewachsen, weggewachsen, weggewuchert von unserer Gottesebenbildlichkeit. Und nun stecken wir fest in dieser Situation, der unmenschlichen Geschwindigkeit des technischen Daseins und können nicht aufhören, weil sonst der Tod unsere Reihen lichten würde. So leben wir weiter im falschen Leben, wie Lemminge, die auch nicht zurück können. Die Verzweiflung über dieses Leben ist aber nicht das Leiden Hiobs, der an seiner vermeintlichen Gottverlassenheit krankte und nicht am Leid der Welt. Wir jedoch weinen um die Welt und nicht um unsere je eigene Gottlosigkeit. Würde das ein jeder tun, wäre die Welt nicht so, wie sie ist. 
Sie finden keinen erlösenden Trost, obwohl Sie an Erkenntnis arbeiten? Vielleicht weil der Trost über der Erkenntnis liegt, vielleicht weil er unbegreifliche Gewissheit ist, in deren Genuss man nur durch Vertrauen kommen kann. Dieses Vertrauen ist Gottvertrauen. Vertrauen ist etwas anderes als Versprechen, denn es lässt offen, was das Versprechen anpreist. Gott aber ist kein geschlossenes System an dessen Ende die Einlösung des Versprechens steht. Gott ist die unfassbare Überweite, die uns einst aufnehmen wird, zu der wir hin wachsen können. Und beim Wachsen hilft die Feuchtigkeit des dichten Daseinsnebels allemal. 

Carsten Lucke

30. Dezember 2025 17:09

@ Maiordomus
Herzlichen Dank für den freundlichen Literaturhinweis ! "Nichts" - klingt vielversprechend. Schon bestellt.
Übrigens sind auch mir Engel immer sehr willkommen gewesen - in der Bildenden Kunst. Die sehen aber nicht immer aus, wie nur zum Schutze bestellt.

Gracchus

30. Dezember 2025 17:25

@Umlautkombinat:
Um es an Engeln durchzuspielen: Da es zahllose Berichte von Begegnungen mit solchen Wesen gibt, - die einen mehr, die anderen weniger glaubwürdig -, spricht m. E. eine widerlegliche Vermutung für deren Existenz. 
"In meiner Welt" - dieser liegt ein naturwissenschaftliches Paradigma zugrunde. Deshalb gerät m. E. ihre Argumentation ebenfalls zirkelschlüssig. Die Vorannahmen des naturwissenschaftlichen Paradigmas schließen die Existenz von immateriellen Wesen wie Engeln von vorneherein aus oder lassen ihre Existenz als sehr unwahrscheinlich erscheinen.
Daher würde ich Naturwissenschaften in dieser Frage als "Richter" als befangen ablehnen. 

Gracchus

30. Dezember 2025 17:47

Ein Freund sagte mir einmal, für ihn habe die Vorstellung, es gäbe ein Leben nach dem Tod, nichts Tröstliches, sondern etwas Schreckliches. Wer sagt also, dass "ewiges Leben" erstrebenswert sei? Es könnte ja qualvoll sein - oder zumindest langweilig. Sterben zu können, aber zu wollen, kann man sich als Gipfel der Verzweiflung denken. Insoweit kann im materialistischen Atheismus, wonach mit dem leiblichen Tod alles aus ist, ein viel größerer Trost liegen. Das heißt, der nüchterne Atheismus kann sich aus ebensolcher Bedürftigkeit speisen wie irgendein Glaube.
Borges hat das in der Erzählung "Der Unsterbliche" durchgespielt. Unsterblich geworden reist der Unsterbliche durch die Jahrhunderte, um die Quelle zu finden, die ihn wieder sterblich macht, weil ohne Tod die Dinge ihre Würze, ihre Bedeutung verlieren, alles ist nun nämlich gleichgültig. 
 

Umlautkombinat

30. Dezember 2025 18:01

@Gracchus

Vorannahmen des naturwissenschaftlichen Paradigmas schließen die Existenz von immateriellen Wesen wie Engeln von vorneherein aus

Mein Punkt. Ihnen fehlen hier elementare Voraussetzungen des Naturwissenschaftsbegriffs. Die lehnt die Engel nicht per se wegen Immaterialitaet ab. Reproduzierbarkeit des Ereignisses ist hier nicht gegeben, das ist das wesentliche Kriterium, "zahllose Berichte" ist keines. Wenn ein Roemer von einem Vulkanausbruch redet, wird das eben auch erst interessant wenn ich noch ein paar ausgegluehte Skelette in der Gegend finde oder spezifische Aschebestandteile. Oder beispielsweise Beobachtungen, die eigentlich erst Messmethoden zugaenglich ist, die damals noch nicht existierten. Oder Dingen wie Plattentektonik entsprechen, oder oder.
 
Ich spinne ja auch fuer mich gern herum. Formulierungen wie "Intelligentes Leben ist der Versuch der Selbsterkenntnis des Universums" sind mir sympathisch. Allerdings sind sie auch hoechst spekulativ, und deswegen fangen sie mich nicht ein noch fange ich an, das auch nur zu beginnen zu untersuchen.

Monika

30. Dezember 2025 18:04

Und schwuppdiwupp haben sich in einem neurechten Kommentarstrang alle metaphysischen Verbind-lichkeiten unseres Volkes in Wohlgefallen aufgelöst. Die Volkskirchen spiegeln das wider. Sie sind Vergangenheit. Nicht einmal mehr ein religiöses Hintergrundrauschen eint unsere arme, seelenlose Nation. Soll doch jeder nach seiner Façon selig werden. Es lebe der religiöse Pluralismus, die Beliebigkeit. Nur, was soll unser Land kulturell einen. Ohne Kult gibt es bekanntlich keine Kultur. Es ist, wie Pater Salmann ( s.o.) sagt: "Wir haben nichts mehr, auf das wir kollektiv stolz sein können. Da gab es früher mehr Zugehörigkeit. Zur Partei, zur Herkunft, zur Familie, zur Kirche. Das ist völlig weggebrochen." Ich bezweifle, daß eine Partei diese Lücke füllen kann, auch nicht die AfD. Seid also gesegnet, Volksgenossen . Sauft und böllert euch ins Neue Jahr .  Vielleicht bekommt ja Alice Schwarzer noch eine kleine Frauendemo vor dem Kölner Dom zusammen, zum 10. Jahrestag der Begrapschung unserer  Frauen. Auf ein Gutes Neues https://www.khkt.de/aktuelles/buchankundigung-e-salmann-segen---empfangen-und-weitergeben-herder-januar-2025

Majestyk

30. Dezember 2025 18:23

@ RMH:
"Es wird einen evolutionären Vorteil geben, wenn der Mensch an etwas nach dem Tode glaubt, sonst wäre das nicht Bestandteil von wohl allen Kulturen, bis auf die moderne."
Naja, Kultur wird ja auch von Menschen gemacht. Natürlich hat es einen Vorteil, wenn Menschen an ein Leben nach dem Tod glauben und dadurch auf Erden ihr Schicksal ertragen, sogar schreiende Ungerechtigkeit, ohne aufzubegehren. Ob das ein evolutionärer Vorteil ist oder eher eine Evolutions-Bremse? Glaube bzw. Religion dient auf jeden Fall der Aufrechterhaltung einer bestimmten Ordnung. In einen Glauben wird man aber für gewöhnlich hinein sozialisiert. Würde ein Kaspar Hauser auch aus sich heraus glauben?
Der nicht glaubende Mensch muß sich selbst ethisch einnorden und eigenständig seinen Kompaß justieren, um nicht zum Raubtier zu werden. Insofern, einen Kodex benötigt jeder, um vernünftig durchs Leben zu kommen, ob dies ein religiöser Glaube sein muß? 
Wie ich aber schon schrieb, man kann über Glauben debattieren, wird aber nie zu einem Ergebnis kommen. Man glaubt oder man glaubt eben nicht. 

Majestyk

30. Dezember 2025 18:36

"Da es zahllose Berichte von Begegnungen mit solchen Wesen gibt, - die einen mehr, die anderen weniger glaubwürdig -, spricht m. E. eine widerlegliche Vermutung für deren Existenz." schreibt Gracchus.
Also es gibt subjektive Berichte über Engelsbegegnungen, die man subjektiv als glaubwürdig empfinden kann, und das läßt dann eine Existenz von Engeln vermuten. Man begründet also Glauben durch Glauben. Was ist das bitte für eine Beweisführung?
Erinnert mich an den Film "...und den Weihnachtsmann gibts doch!" mit Charles Bronson, derzeit auf Prime. Da schreibt ein Mädchen an eine Zeitung und fragt, ob es einen Weihnachtsmann gibt, da ihr Vater ihr gesagt hat, was in der Zeitung steht, ist wahr. So soll auch der Disput mit einem anderen Mädchen geklärt werden. Den Artikel schreibt dann Charles Bronson, der feststellt, weil so viele an den Weihnachtsmann glauben, müsse es auch einen geben. Und da es nun in der Zeitung steht, ist für die Familie die Glaubensfrage geklärt. 

Olmo

30. Dezember 2025 18:59

Ich habe Angst vor dem Tod, und weil ich ein eitler Mensch bin, habe ich auch Angst vor dem Alter. Es quält mich zu sehen, wie meine Mutter verwelkt und der Gedanke daran, daß mein Sohn eines Tages sterben wird, trieb mich schon beinahe in den Wahnsinn. Ich glaube, es ist fast unmöglich, zu Gott und Tod einen originellen Gedanken zu fassen. Die Debatte haben außerdem m.E. die Atheisten gewonnen, und trotzdem halte ich am Glauben fest, ich bete und besuche brav die Messe. Ich hoffe auf Gott, doch eher der Gerechtigkeit wegen (auch wenn ich sie fürchten muss), denn der Gedanke an ein ewiges Leben scheint mir meistens, wenn ich länger darüber nachdenke, lächerlich – der ewige Olmo ... Mir hat San Luigi Maria Orignion di Montfort geholfen: il segreto meraviglioso del santo rosario. Familie, Arbeit, Vaterland und am Ende ist Gott. Pathetisch? Kitschig? Vielleicht. Mir gibt es Halt.

Sandstein

30. Dezember 2025 19:35

Möchte mich nicht groß an der Diskussion beteiligen. Wie immer die üblichen Verdächtigen, die hier mit den bekannten Abschweifungen ihr jeweils eigenes Süppchen kochen. Carsten Lucke bringt es ziemlich gut auf den Punkt. Was Wunder angeht: die Wahrscheinlichkeit, dass genau dieses eine Spermium diese eine Eizelle befruchtet, liegt bei ungefähr 1 zu 400 Billionen. So gesehen ist jedes menschliche Leben ein Wunder. Vielleicht hilft das hier dem einen oder anderen Neuheiden, Agnostiker (mir noch die Liebsten), Nihilisten oder Materialisten auf die Sprünge.
Grüsse an HB und wünsche allen einen schönen Jahreswechsel.

Dr Stoermer

30. Dezember 2025 20:08

1/2
Werter HB, herzlichen Dank für Ihren Jahresabschlusstext und die Offenheit, mit der Sie Ihre Erfahrungen schildern.
Wenn ich Sie richtig verstehe, formulieren Sie einen theodizeeähnlichen Einwand: Der Mensch sehnt sich nach Heil, erscheint Ihnen aber zugleich als derjenige, dessen Vernutzungstrieb die Bedingungen des Heils systematisch zerstört. Diese Zerrissenheit lässt traditionelle Erlösungsvorstellungen fragwürdig erscheinen.
Die Erklärungsmuster, die Sie überzeugender finden, verorten Sie – in Anschluss an Schopenhauer – nicht in personaler Transzendenz, sondern in einer metaphysischen Einsicht in den Grund des Lebens: ein blindes, nicht-intentionales „belebendes Prinzip“, das er Weltwille nannte. Damit aber stehen wir im trostlosen Regen eines leeren Himmels und sollten dennoch verantwortlich handeln. Nicht Erlösung also, sondern allenfalls aufrechte Schadensbegrenzung am Abgrund erwartet uns.
Doch Ihre Bezugnahme auf Schopenhauer zeigt – mindestens für meinen Eindruck – etwas, das über seinen Willensbegriff hinausweist. Es geht Ihnen nicht um den blinden metaphysischen Grund selbst als Trost, sondern um die Möglichkeit, dass das Leben einen Ursprung haben könnte, der nicht einfach mit dem Vergänglichen identisch ist. Ein Ursprung, der nicht laut ist, nicht interventionistisch. Aber zeigt, dass der Mensch nicht allein im Chaos steht.
Gerade an diesem Punkt berührt sich Ihre Haltung mit dem, was das Christentum jenseits seiner verstellenden Bilder vermutlich meint:

Dr Stoermer

30. Dezember 2025 20:11

2/2
Nicht einen Gott, der Wunder vollführt oder die Welt wie ein Puppenhaus nach unserem Maßstab ordnet, sondern den Seinsgrund selbst – das, wodurch etwas ist und nicht vielmehr nichts. Wenn Sein Freiheit ermöglicht, dann ist Leiden nicht göttliches Versagen, sondern Bedingung der Möglichkeit von Freiheit. Und ein Seinsgrund, der Freiheit gewährt, kann selbst nicht den Unzulänglichkeiten unterliegen, die aus Freiheit resultieren – Gleichgültigkeit, Missgunst oder Schwäche wären in ihm ja Widersprüche.
Unter dieser Perspektive wäre Erlösung nicht ein historischer Endzustand – die Welt war nie Paradies und wird es empirisch kaum werden –, sondern eine Begegnung: etwas, das sich in uns ereignet, nicht etwas, das wir draußen herstellen: Durchhalten, Ausharren, ein einfaches „Ich bleibe bei Dir“ – so, wie Sie es an der Seite Ihrer Mutter beschrieben haben. Eine Nähe, die man nicht produziert, sondern empfängt. Das Entscheidende tritt selten in der Leichtigkeit des Seins hervor, sondern im Schmerz.
Vielleicht ist das, was Sie Trostlosigkeit nennen, nicht Widerspruch zum Glauben, sondern eine seiner Voraussetzungen: ein Gefäß, das von Illusionen leergeräumt genug ist, um überhaupt etwas aufnehmen zu können.
Mit Dank für die jahrzehntelange Arbeit von Ihnen und den Menschen in und um Schnellroda sowie die dadurch lebendig gehaltene Hoffnung – eine Hoffnung, die nach all der Dunkelheit größer wirkt, als lange möglich schien. Ihnen und allen hier ein gutes neues Jahr.

Majestyk

30. Dezember 2025 20:14

@ Monika:
"Ohne Kult gibt es bekanntlich keine Kultur."
Das ist eine Behauptung. Beide Begriffe haben zwar denselben Wortursprung, aber unterschiedliche Bedeutungen. Man kann doch nicht sagen, wo viel Kult, da viel Kultur. In der Renaissance löste man sich von der Dominanz des Kults, Kultur gab es dennoch reichlich. Im modernen Afghanistan dürfte es jede Menge Kult geben, ob dies die Kultur bereichert, wage ich zu bezweifeln. 
@ Sandstein:
Wie kommen Sie auf die Idee, daß man einem Agnostiker wie mir (Ihnen ja noch einer der Liebsten) auf die Sprünge helfen müßte oder dass mir in meinem Leben was fehlt?
Wenn man keine abweichenden Ansichten will, kann man die Teilnehmer entsprechend selektieren. Wobei, wenn alle ins gleiche Horn stoßen, nennt man sowas dann wirklich Diskussion? Wenn hier aber eine Diskussion geführt werden soll, haben auch die Neuheiden, Agnostiker, Nihilisten oder Materialisten Rederecht. Es sind ja mit mir eh nur drei Abweichler, das müßte doch zu verkraften sein.

Carsten Lucke

30. Dezember 2025 20:55

@ Gracchus  17.47
Genau das ist es - Sie bzw. Ihr Freund sprechen mir aus der Seele : Die grausamste Vorstellung für mich ist, daß es nach dem Tod in irgendeiner Form "weitergeht" ! 
Es muß ein Ende geben in allem, sonst ist alles nichts wert.
Wenn es denn einen "barmherzigen" Gott gibt (was durch Alles widerlegt scheint), dann muß er jeden Einzelnen von uns auslöschen.
Also habe ich Angst. (Daß er's nicht tut, natürlich !)
Zumindest schwere Bedenken. Aber - scheiß drauf !
 

Dietrichs Bern

30. Dezember 2025 21:17

@Monika: Nun, man kann wirklich erstaunt sein, wie wenig von den christlichen Wurzeln, die dieses Land so lange geprägt haben, ausgerechnet denen etwas sagt, die sonst so auf den Werten, Kultur und Gebräuchen herumreiten. Und natürlich gehört ganz besonders die deutsche Amtskirche, mit ihren schleimigen Wesenheiten in der Krippe ganz vorne dazu. Vielleicht sind wir eigentlich längst ausgestorben.

Gracchus

30. Dezember 2025 21:43

@Umlautkombinat: "Reproduzierbarkeit des Ereignisses" - was soll das heißen? Experimentelle Wiederholbarkeit? Das mag flapsig klingen, aber heißt das: Wenn ich mit xy schlafe, hat es sich erst ereignet, wenn ich ein zweites Mal mit xy unter Aufsicht eines Naturwissenschaftlers schlafe? Bzw. erst dann glauben Sie meiner Behauptung? Und wenn ich es beim zweiten Mal nicht mehr so geil finde? 
Engel, wenn sie existieren, sind auch keine Ereignisse, sondern Wesen. Sie oder Begegnungen mit ihnen sind auch nicht "messbar". Sie sind auch frei und können es ablehnen zu erscheinen, wenn ein Naturwissenschaftler sie experimentell einfangen will. Daher bleibe ich dabei: Die naturwissenschaftlichen Vorannahmen schließen die Existenz von Engeln aus oder lassen sie unwahrscheinlich erscheinen.

Diogenes

30. Dezember 2025 22:07

"Der Mensch"...  der Mensch.. Hinterfragen Sie erstmal Ihre eigene Beschau u. Formel, damit man auf einem Grund einschlägt und nicht nur über Ideologie diskutiert!
 
So hoch wohl Gelehrte werden kaum mit den einfachen Volksleuten in Kontakt kommen. Die Bau- u. Gärtnerfirmen, meine ich als Beispiel. Was wissen Sie als Intellektueller über deren Arbeitsleben ausreichend um es übers Jahr deren Arbeit insgesant zu (ausländischen) anderen  zu würdigen? Da hilft auch kein strenges Genosse! Aufpassen!
 
Nein, da hilft eine Weltbeschau die alle Volksleute an ihrem Berufe, Stande, Gange, einbezieht und würdigt, als letztlicher Wohlzubringer aller Volksschichten! Wir wollen von keinem Ausländer in den entscheidenden Prozessen, Verfahren, Wissenschaften, Herstellungen, etc., abhängig sein und das bildet das die Grundlage für das DEUTSCHE INTERESSE ! 

Gracchus

30. Dezember 2025 22:10

@Majestyk: Zeugenbeweise sind jedenfalls vor Gericht zulässig. Ich habe nicht von "Beweis" gesprochen, sondern von einer widerleglichen Vermutung. Damit schließe ich nicht aus, dass alle diese Zeugnisse der Phantasie entsprungen sind. Und falls es so ist: Was, wenn die Phantasie Zugang zu Wirklichkeiten eröffnet, an die die begriffliche Vernunft nicht heranreicht? Unser mythisches Wirklichkeitsverständnis wird ja durch die begriffliche Vernunft nicht gelöscht, sondern überlagert. Und wieso bringt die Evolution Wesen mit überschiessender Phantasie hervor? 
 
 

Franz Bettinger

30. Dezember 2025 22:14

Erst dachte ich: faszinierender Artikel! Dann lese ich: "Aus der ökologischen Katastrophe wird es keinen Ausweg geben. Glücklich jene Tumben, die meinen es gäbe gar kein ökologisches Problem.“  Oje, zu diesen Ignoranten zähle dann wohl ich. Worin besteht denn das ökologische Problem? Darin, dass es längst keinen Hunger auf der Welt mehr gibt? Dass noch keine Öl- und Gasquelle versiegte? Noch keine Insel im Meer versank? Die Erde dank CO2 grüner wird? Dass die Menschen immer weniger arbeiten müssen, um ein Auskommen zu haben? Die Luft in Paris und die Strände der Flüsse und Meere verglichen mit denen von 1750 viel sauberer geworden sind? Ja, wir haben Probleme 2025, große sogar. Aber sicher keine ökologischen! 

SMHJanssen

30. Dezember 2025 22:49

Sehr geehrter Herr Bosselmann,
erst einmal herzliches Beileid! Ihre Gedanken, ihre Fragen kann ich eins zu eins nachvollziehen. Mein geliebter Vater ist vor knapp zehn Jahren gestorben und meine geliebte Mutter 2023 zwei Tage vor Weihnachten. Ich möchte Ihnen für diesen Text, der mich angerührt hat, unabhängig von allen politischen Differenzen, danken. Vielleicht macht das die Gattung Mensch aus - die Fähigkeit bestimmte Erfahrungen über alle ideologischen Grenzen hinweg gemeinsam zu teilen. In diesem Sinne: Ihnen ein glückliches und gesundes 2026.
Siebo M. H. Janssen

Franz Bettinger

30. Dezember 2025 22:50

Ich sehe mich als Kultur-Christ. Ich sage 10 x am Tag „Mein Gott“ und fühle mich dadurch erleichtert. Wie @MM aber halte ich den Hinduismus, Karma, Wiedergeburt für intellektuell attraktiver als das Christentum, das Judentum oder den Islam. Könnte ich mir eine Religion aussuchen, würde ich den Hinduismus wählen, obwohl auch dieser verabscheuungswürdige Rituale kennt. - Aber man kann sich seine Herkunft nicht aussuchen, und deshalb bekenne ich mich als Rechter traditions-bewusst zum Christentum, den Kathedralen, der Christmette & den Bach'schen Orgel-Orgien. Was mich, als ich noch zur Messe ging, oft langweilte, waren die Predigten, die so gut wie nie inspirierend waren, weil sie an Schafherden's Nöten meilenweit vorbei schwafelten oder, schlimmer, üble Reg.Propaganda wiederkäuten, gerade in der Zeit der Corona-Lüge. Unverzeihlich! Bitte, nehmen Sie mir mein loses Mundwerk nicht übel. Es kommt, ob Sie’s glauben oder nicht, von Gott.  

Umlautkombinat

30. Dezember 2025 23:04

@Gracchus
 
Reproduzierbarkeit ist ein Grundprinzip jeder Naturwissenschaft. Wie das gemeint ist, sollte eigentlich Schulstoff sein. Wenn ich die Position der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne messe, dann sollte das jeder andere ebenso nachvollziehen (reproduzieren) koennen, sonst ist es wissenschaftlich irrelevant. Es besteht kein Weg ueber Behauptung hinaus in irgendeine Art von Objektivitaet hinein. Das stoert Sie als Glaeubigen nicht, einen Wissenschaftler schon (der Anspruch an Antworten von oben!) und er wird sich mit solchen Behauptungen nicht zufrieden geben. Und dann sind Sie auf seinem Spielfeld.
 
Wenn jemand einen Engel sieht, muss die Moeglichkeit bestehen, dass es jeder andere auch tun kann. Kann er es nicht, ist es komplett egal, ob man sich auf eine hypothetische Entscheidungsfaehigkeit dieses Engels zurueckzieht, sich nicht zu zeigen. Wissenschaftlich irrelevant, da nicht reproduzierbar wiederholbar. Der ganze Engel bleibt subjektives Erleben und ich bin voellig frei darin, verschiedene Hypothesen zur Sache anzusetzen. Psychologie, kulturelle Praegung und Neurologie waeren meine Wahl. 

Engel, wenn sie existieren, sind auch keine Ereignisse, sondern Wesen. 

Zeigen Sie sie mir zuerst die Existenz belastbar, keine Buecher, keine subjektiven Hymnen, dann koennen Sie zu Eigenschaften kommen...

Sie oder Begegnungen mit ihnen sind auch nicht "messbar". Sie sind auch frei und können es ablehnen zu erscheinen

...die sie haben oder nicht haben.

Gracchus

31. Dezember 2025 00:27

Noch ein paar vorletzte Worte:
1. Der Gläubige ist immer auch ein Ungläubiger. Die meisten Gläubigen werden nicht von sich sagen, dass ihr Glauben nicht noch wachsen könnte.
2. Die christliche Warheit erschließt sich keinem objektiv-unbeteiligten Beobachter.
3. Gott ist Liebe, schreibt der Apostel Johannes. Wer Liebe erfahren hat - und ich hoffe jeder (wenn die menschliche Liebe auch nicht oder selten rein ist) -, kann ohne starke metaphysischen Annahmen erahnen, was Gläubige meinen, wenn sie von Gott sprechen.
4. Das ganze Geheimnis der Christen besteht darin, dass sie sich geliebt wissen, und das ohne eigenes Verdienst (was leistungsbesessenen Deutschen schwer zu vermitteln ist). Alle weitere Metaphysik folgt daraus. 

Diogenes

31. Dezember 2025 08:04

@Umlautkombinat: "Reproduzierbarkeit ist ein Grundprinzip jeder Naturwissenschaft."
 
Ihrem Logos nach kann etwas nicht existieren, wenn es sich nicht durch Person A durch Methode X wiederholen lässt. Dieser Logos geht von der Formel "alle Menschen sind gleich" aus, richtig? Erkenntnis ist stets nur bei Wenigen, bei vielen aber steht das materielle Bedürfnis im absoluten Vordergrund. Materialistische Wissenschaft ist auf Ruhmessucht und Gewinn ausgelegt. Was meinen Sie aber z.B. über Biophotonen, wenn man mal alles bis in die Körperzelle herunterbricht? 
 

Diogenes

31. Dezember 2025 08:31

Gib dem Bösen ein Profil; ein Charisma, eine Persönlichkeit, ein Aussehen, und auf einmal wird es sympathisch in seinem Zuflüstern, in seinem Gieren, in der Versuchung: Nimm das Geld! Greif nach dem Glitzerfunken!
 
Der materialistische Weg ist der Weg des Mechanikus Diabolo. Ein Mechanik, die alles in Chaos durcheinander/untergehen bewirkt. Das Böse beruht darauf, ist wie ein Handgriff, den man dreht. Egal in welche Richtung, das Leid ist vorprogrammiert, denn man muss dem einen wegnehmen um sich selbst etwas hinzuzufügen. Dieses Wegnehmen ist das X in der Rechnung. Man kennt Sie nicht, aber von irgendwem, muss es genommen werden. Nicht wahr, @Olmo? -
 
"Ich habe Angst vor dem Tod, und weil ich ein eitler Mensch bin, habe ich auch Angst vor dem Alter."
 
Das ist ein Merkmal, eine Angst, die sich der Tripode Abrahamismus in seinem Kontrollstreben über die Gläubigen zu nutze macht. Das „Böse“ nährt sich von dieser Angst. Giert danach. Und so wird immer mehr Angst in die Welt geschaffen. Wo kommt denn die ganze Panik in der Welt her (z.B. Corona)? Die Kriegshetze? Das Nähren von Feindbildern? Verängstigte Menschen sind leicht kontrollierbar.

Rheinlaender

31. Dezember 2025 08:34

@Umlautkombinat
Naturwissenschaft wird zur Ideologie, wo sie den Anspruch erhebt, dass irrelevant sei oder nicht existiert, was ihren Methoden nicht zugänglich ist. Ein Beispiel dafür ist die Debatte um den freien Willen des Menschen (dessen Existenz dem Kausalitätsprinzip widerspricht), ebenso wie die um die Seele des Menschen oder um den Hintergrund der Entstehung des Universums. Dies sind drei Beispiele für den Menschen äußerst relevante Fragen, an denen die Naturwissenschaften aber offensichtlich an ihre Grenzen stoßen, was daran liegen könnte, dass es einen übernatürlichen Teil der Wirklichkeit gibt, der ihren Methoden nicht zugänglich ist. Dass der Mensch über den mutmaßlichen übernatürlichen Bereich keine exakten Aussagen treffen kann ist natürlich unbefriedigend, aber dessen Existenz trotz der erwähnten Hinweise grundsätzlich auszuschließen, wäre m.E. irrational.

Rheinlaender

31. Dezember 2025 08:46

@Umlautkombinat
Was Berichte über Begegnungen mit Engeln angeht, so gibt es tatsächlich Hinweise darauf, dass viele davon auf menschliche Erfindung oder psychische oder neurologische Erkrankungen etc. zurückgehen. Es gibt aber auch solche, die mit diesen Ansätzen nicht erklärbar sind. Zum Fall der Johanna von Orleans etwa liegt eine umfangreiche, wissenschaftlicher Auswertung zugängliche Dokumentation vor, die naheliegt, dass sie davon überzeugt war, u.a. Engeln begegnet zu sein, und dass diese Überzeugung wahrscheinlich nicht auf psychische Erkrankungen etc. zurückging. Zumindest lassen ihre von ihren Gegnern umfassend dokumentierten Aussagen während ihres Gerichtsprozesses keine Hinweise darauf erkennen.
Außerdem hatten die Inhalte der Kommunikation mit den beschriebenen Wesenheiten in mehreren Fällen weitreichende und gut dokumenierte Auswirkungen auf den Verlauf des Hunderjährigen Krieges, was unwahrscheinlich gewesen wäre, wenn es sich bei den Aussagen nur um die Erfindungen oder Wahnvorstellungen eines minderjährigen Bauernmädchens des Mittelalters ohne formale Bildung gehandelt hätte.
Das ist alles noch kein Beweis für die Existenz des Übernatürlichen, aber wäre der Dauphin ein materialistischer Ideologie gewesen, würde es Frankreich heute wahrscheinlich nicht mehr geben.

RMH

31. Dezember 2025 09:27

"und das ohne eigenes Verdienst (was leistungsbesessenen Deutschen schwer zu vermitteln ist)." Zustimmung @Gracchus & es kommt ja noch besser: Auch die Erlösung durch Christi ist gratis & fast bedingungslos, man muss nur daran glauben, keine weiteren Verrenkungen machen oder auf Knien um einen Berg robben etc. Ja, das Christentum ist quasi "leistungsloses" Einkommen & Streber können Gleichnisse, wie die vom verl. Sohn oder von der Arbeitern im Weinberg nur als zutiefst ungerecht empfinden (Ein Kernantisemit des 3. Reiches hat das als "undeutsch" bezeichnet). Sowas geht ja gar nicht & ist ja was für Schwächlinge & gebiert daher auch eine Moral für Schwächlinge. Daher haben all die Bekenntnisse, Kulte etc. die von einem stundenlanges Meditieren, Aksese, Stöckchen-Spring hier, Buckelmachen da, Iss nur dies, aber nicht das, "Initiation" durch "Eingeweihte", Stufenordnungen des Göttlichen, die man bienenfleißig abarbeiten darf, bis einem irgendwann die Erleuchtung zu Teil wird, bis hin zu den Pryramiden-Strukturvertrieben in Glaubens oder Selbsterlösungsdingen stetige Konjunktur. Gerade sog. "Leistungsträger" schreckt das fast schon Banale des Christentums regelrecht ab.

Gracchus

31. Dezember 2025 09:42

@Umlautkombinat: Es bleibt dabei: Wenn subjektives Erleben irrelevant ist und alles für jeden reproduzierbar sein muss, haben Sie eine Vorentscheidung getroffen, die dann Ihre Auffassung von Wirklichkeit prägt und lediglich einen kleinen Ausschnitt betrifft. Man muss nicht gläubig sein, um zu sehen, dass damit Wesentliches wegerklärt ist und gar nicht vorkommt. Das betrifft dann nicht nur Engel, sondern alle menschliche Erfahrung, soweit sie subjektiv geprägt ist (wobei die Subjekt-Objekt-Spaltung ebenfalls schon eine Vorentscheidung darstellt). Menschliches Zusammenleben ist unter diesen Prämissen nicht möglich. Daher hat sich @Monika - und das war der Ausgangspunkt - zu Recht gegen eine totalisierende Wissenschaft gewandt. 

Diogenes

31. Dezember 2025 09:56

Warum macht man ("man"? könnte auch konkret in der "man" Organisation/Bezeichnung" werden) denn das deutsche Bildungssystem kaputt bzw. holt sich den Diabolo Mechanikus (Überfremdung/Umvolkung) ins Land? Dumme Deutsche (und andere Europa-Völker mit) sind leichter kontrollierbar. Werf ihnen ein "Schnüffelstück" hin (auf das sie langfristig durch Informations- und Unterhaltungs- Großmedien indoktriniert wurden), und sie werden dem wie Ameisen der Chemie/Pheromonen folgen. Sie können gar nicht anders. 
 
Also Krieg wird kommen, so lange sich an der Formel ("Schnüffelstück" oder nenne es "Feindbild", der "Geruch" nach "Eigenbereicherung" durch einen fremdbestimmten Staat/Tiefen Staat/Staat im Staate... der Namen gibt es viel, die Wirkung ist die selbe) nichts ändert. Dazu muss man kein (Hell) Seher sein, ein "Schamane" seines Volkes (wähle für Schamane den volkseigenen Begriff). Und deswegen müssen wir anfangen über Methoden zu sprechen. 

Sandstein

31. Dezember 2025 09:56

@Majestik
Ich habe früher selbst regelmäßig kommentiert. Aus Zeitgründen belass ich es meistens bei der Lektüre, und HB lese ich ausgesprochen gerne. Habe die Eigenart die Kommentare vom Ende her zu lesen, es ist dann schon frappierend, wie sich der Diskurs vom Ausgangspunkt her verschiebt. Und ja, das ist nicht unbedingt verkehrt und liegt in der Natur. Aber so wie man bei religiösen Texten in 3..2..1 Laurenzsche Kritik am Christentum Erwarten darf, kommt RMH als treuer US-Unterstützer um die Ecke so bald da am Lack gekratzt wird. Übrigens wie Sie, wenn es um Freiheit und Staatlichkeit geht. Nicht falsch verstehen, aber wir wissen es mittlerweile doch alle und die x-te Wiederholung nervt irgendwann. Im Übrigen lese ich Ihre Kommentare ausgesprochen gerne. Und auch, wenn ich Ihnen das gar nicht unterstellt habe: fehlt uns nicht allen irgendwas?

RMH

31. Dezember 2025 10:07

" .... zu Recht gegen eine totalisierende Wissenschaft gewandt."
Auf den Ersatzcharakter bzw. die Ersatzfunktion der Wissenschaft für Religionen in areligösen und atheistischen Gesellschaften oder Politiksystemen haben viele mit guten Argumenten schon seit dem Beginn der Verbreitung dieser Weltanschauungen hingewiesen, u.a. auch E. Voeglin in seinem Essay über die politischen Religionen. 
Trotz der heutzutage immer offener zu Tage tretenden Korrumpiertheit der sog. "Wissenschaft" braucht man aber keinen neuen Irrationalismus. Eine Art reformatorischer Sturm wäre aber angebracht. Ebenso gibt es keinen Anlass für Rationalisten, Atheisten, Agnostiker irgendwie zu meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, da Wissenschaft und unser gesamtes Wissen - welches nach wie vor erstaunlich klein ist, aber durch permanentes Wiedergekäue, auch im sog. Wissenschaftsbetrieb, zu einem Scheinriesen wurde - auch nur auf Hypothesen unter Falsifizierungsvorbehalt beruht.
 

Umlautkombinat

31. Dezember 2025 10:19

Naturwissenschaft wird zur Ideologie, wo sie den Anspruch erhebt, dass irrelevant sei oder nicht existiert, was ihren Methoden nicht zugänglich ist.

Der Ideologievorwurf ist leer, wozu benoetigt man das ohne Not? Beide (auch Gracchus) sollten sich noch einmal Wortbedeutung und von mir konkret  gewaehlten limitierten Bezug von "irrelevant" verdeutlichen. Zuerst wird klarer, warum er mit "nicht existiert" nicht in einen Satz gehoert. Generell: Die genannten Dinge muessen fuer Wissenschaft irrelevant sein (es geht aber z.B. nicht um Ihre Personen, fuer die darf es sein, was Sie halt bevorzugen), weil deren Mitteln nicht zugaengig.
 
Das heisst aber nun lange nicht, dass wiederum ich als Person das nicht unbefriedigend finden kann und als wahr schlucken muesste. Ich habe in meinem Leben schon viele schoene Geschichten gehoert, die absolut unzutreffend waren. Und ich habe aus meiner (und auch wissenschaftlicher) Sicht wahrscheinlichere (hier ist sie wieder, die probability) Erklaerungen.  Also will ich Pruefung. Geht das nicht - auch weil das Thema als unpruefbar aufgebaut wurde - endet meine Bringe- und Verstaendnispflicht und ich lege meine Massstaebe und Methoden an die Erklaerung an. Und wenn letztere anderen meiner Erkenntnisse zu stark zuwiderlaeuft, dann wird sie halt abgelehnt. Ob ich damit immer noch verletzte Seelchen zuruecklasse, ist mir dann bei Erwachsenen doch relativ gleichgueltig.

Monika

31. Dezember 2025 10:46

@ Olmo 
"Einen Menschen lieben heißt sagen: Du wirst nicht sterben" (Gabriel Marcel)
"Das Erste, das ein Liebender will, ist, daß der Geliebte existiert und lebt." (Josef Pieper Über die Liebe ) Nur Liebe überwindet den Tod. Brigitte Bardot sagte in einem Interview 1983:
"Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Tod denke....Es ist furchtbar, es ist etwas, das mir große Angst macht." .... "Wenn die Menschen öfter darüber nachdenken würden, wären sie bessere Menschen, weniger gemein, weniger egoistisch." Allen hier ein Gutes Neues Jahr. 😀

Franz Bettinger

31. Dezember 2025 11:18

Ich möchte mich bei H. Bosselmann sowie der Kern-Mannschaft um K+K und allen Kommentatoren bedanken. Durch SiN sind wir eine anregende Familie geworden, die mein Leben seit 8 Jahren bereichert und das Paradies ein wenig auf die Erde herunter holt. Strengt euch weiter an! Es lohnt.  

Rheinlaender

31. Dezember 2025 11:23

@Umlautkombinat
Dass es in der Auseinandersetzung mit Fragestellungen aller Art nachrangig sein sollte, ob sich jemand durch Antworten emotional verletzt fühlt oder nicht, und dass man Aussagen prüft, bevor man sie als wahr oder potenziell wahr akzeptiert, sollte unter denkenden Menschen Konsens sein.
Materialistische Ideologie halte ich für einen Irrtum, weil die von mir genannten Beispiele m.E. zeigen, dass es für den Menschen höchst relevante Sachverhalte gibt, die sich nicht oder nur teilweise aus natürlichen bzw. physischen und materiellen Vorgängen heraus erklären lassen. 
Eine Ideologie, die nur solche Vorgänge für real hält oder davon ausgeht, dass nur diese rational prüfbar und der Erkenntnis zugänglich seien und andere Sachverhalte in den Bereich des Subjektiven verschiebt, kann daher keine sinnvollen Antworten auf die wichtigsten Fragen der menschlichen Existenz finden.
Wenn Sie abwertend von "Seelchen" sprechen, die an "schöne Geschichten" glauben und deren Gegenstand für "unpruefbar" erklären und meinen diesbezüglich keine "Verstaendnispflicht" zu haben, habe ich den Eindruck, dass sie materialistischer Ideologie anhängen.
Wer sinnvolle Antworten auf die wichtigsten Fragen menschlicher Existenz finden will, muss diese Fragen aber zunächst einmal ernst nehmen und hat eine entsprechende "Verstaendnispflicht".

Laurenz

31. Dezember 2025 12:18

@Monika & Co. ... da meine letzten Beiträge bei der Redaktion nicht so gut ankamen, reite ich mal ohne Zaumzeug. Die I. Frage, die sich alle stellen dürfen, ist, glaubt man an die Seele oder nicht. Wenn, ja II. Da auch wir nur aus Sternenstaub gemacht sind, stellt sich die Frage, wann etwas zu einem Individuum wird, organisch & anorganisch? Hat ein Berg, ein Fels, der Mond, Mutter Erde, die Sonne, ein See, ein Weiher eine Seele oder nicht? Wenn man als Seelengläubiger bei Mensch & Tier hier verneint, mutiert man zum Ungläubigen. Ich glaube, daß alles beseelt ist. Und natürlich gibt es Engel. Man sollte aber diese nicht, wie auch Gott nicht, interpretieren. Weder Gott, noch höhere Mächte, noch Engel sind dafür verantwortlich, was Menschen ihnen andichten. Und was einzelne, die zB, wie Franz Bettinger einst, gegen Berge & Wildwasser kämpfen, persönlich erfahren, kann nur selten zur Allgemeingültigkeit erklärt werden.

Artabanus

31. Dezember 2025 12:44

Am Ende geht es bei religiösen Fragen ums Ganze, ums Weltbild. Da niemand genau weiß, wie Welt, Kosmos, Leben und Bewusstsein zusammenhängen muss man sich am Ende immer etwas zusammenreimen. Von daher sollte jeder nach seiner Façon selig werden, wie FriedrichII passend bemerkte. Am Christentum wie auch am Islam ist meiner Meinung nach der große Schwachpunkt die Betonung des Glaubens an sich. Warum soll blinder Glaube ein Wert an sich sein? Und wenn man einmal hinter die Kulissen dieser Religionen geschaut hat(historischer Jesus, historische Propheten, Entstehung von 'heiligen Schriften', etc.), so lässt sich dieser Glaube nur schwer aufrecht erhalten, um es vorsichtig zu formulieren. Wissenschaftsglaube hat übrigens auch etwas religiöses und ist als Religionssurrogat nicht empfehlenswert. So beruht z.B. die gesamte Mainstream-Kosmologie auf sehr zweifelhaften Spekulationen.

Dietrichs Bern

31. Dezember 2025 13:18

@Artabanus "Am Christentum wie auch am Islam ist meiner Meinung nach der große Schwachpunkt die Betonung des Glaubens an sich. Warum soll blinder Glaube ein Wert an sich sein?" - Ich finde es vollkommen unverständlich, wie man gerade diese beiden Religionen in einen Satz bringen kann, zumal das Christentum die Religion war, in dem so etwas wie ein Deutschland überhaupt entstanden ist und das auch durch seinen christlichen Glauben geprägt wurde. Ich finde es kurios, dass das alles eher als Beiwerk, als folkloristischen Ballast betrachtet wird. Was ergibt sich daraus für ein Blick auf unsere Ahnen? Alles tumbe Dummerchen? Und warum dann überhaupt noch Goethe, Schiller, Bach? Warum Deutschland?

Rheinlaender

31. Dezember 2025 13:23

@Artabanus
Das, was manchmal als "blinder Glaube" bezeichnet wird, ist eine fortgeschrittene Stufe der Glaubenserfahrung, bei der das hierarchische Verhältnis zwischen Gott und Mensch so weit erkannt wurde, dass das Ego des Menschen in diesem Verhältnis vollständig in den Hintergrund treten kann. Ich kenne das nur aus der Literatur, deren Beschreibung ich hier wiedergebe.
Glaube ist davon abgesehen nichts, was ein Mensch tut, sondern eine Erfahrung, die dem Menschen geschieht, so dass er in Folge dieser Erfahrung die Existenz des Übernatürlichen akzeptiert. Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Sie ist nicht mit Blindheit vergleichbar, sondern eher mit einer Weitung des Blicks. 

Majestyk

31. Dezember 2025 14:03

@ Sandstein:
"Und auch, wenn ich Ihnen das gar nicht unterstellt habe: fehlt uns nicht allen irgendwas?"
 
Da ich zu einem um seine Existenz bangendem Volk mit erodierendem Gemeinwesen und düsteren Zukunftsperspektiven gehöre, eindeutig ja. Was mir nicht fehlt, ist eine institutionalisierte Religion, die Dogmen erzeugt. Genau deswegen lehne ich ja den Import des Islam ab, der keineswegs zähmbar ist. Gegen gläubige Menschen hingegen, habe ich gar nichts einzuwenden, auch nicht gegen die Idee von Gott. Das genau zu erklären würde zu weit führen, muß zudem noch Kartoffelsalat machen. 
 
Was Abschweifungen betrifft und Wiederholungen haben Sie vollkommen recht, gilt auch für mich. Aber Diskussionen mäandern zuweilen und manche Themen oder Überzeugungen muß man wiederholen bzw. immer wieder mit dem Hammer den Nagel in die Wand schlagen. Ob man will oder nicht, auch im Wissen im Grunde gegen Windmühlen zu kämpfen. Würde ich nicht schreiben was mich bewegt oder wovon ich überzeugt bin, könnte ich die Feder fallen lassen.
 
Danke für Ihren Kommentar und Ihnen und allen anderen Teilnehmern, sowie der kompletten Redaktion einen guten Rutsch in ein hoffentlich spannendes neues Jahr!

Rudolf Kayser

31. Dezember 2025 14:49

Heute vormittag ging ich durch eine leicht durchbrochene Landschaft ohne ganz eindeutigen Charakter. Man könnte sie als Vorstadt oder vorstädtisches Siedlungsgebiet ansprechen: Gleise mit einem halb rangierten Güterzug. Drei Waggons mit industriellen Flüssigkeiten oder Gasen, zwei geschlossene Kargos, und ein offener mit Landmaschinen. Neben den Gleisen eine karstig diestelige Böschung, dann ein Weg, daneben eine Kleingartenkollonie im winterlich stillgestelltem Graubraun. Aus einer Laubenecke stieg ein winziger Rauchfaden auf. Dann kam ein kleines Gewerbegebiet mit einer  Reifenbude, dann eine Tankstelle, dann niedrige Häuser mit Friseur und einem geöffneten Bäcker. Dann fing es an zu schneien. Kurz gesagt: Gott war überall zu sehen. 

Le Chasseur

31. Dezember 2025 14:52

@Majestyk
"Danke für Ihren Kommentar und Ihnen und allen anderen Teilnehmern, sowie der kompletten Redaktion einen guten Rutsch in ein hoffentlich spannendes neues Jahr!"
Wünsche auch allen hier Schreibenden und Lesenden einen guten Rutsch. Mein Bedarf an spannenden Jahren ist allerdings bis auf weiteres gedeckt.

Artabanus

31. Dezember 2025 15:04

@ Dietrichs Bern
Der Islam ist jünger als das Christentum und ist stark davon geprägt. Es gibt etliche Elemente des Christentums die sich im Islam wiederfinden. Das Fremdartige für uns am Islam ist das spezifisch Arabische, nicht dessen Glaubensinhalte. Das Deutschland stark vom Christentum geprägt wurde ist unstreitig. Ob der Einfluss des Christentums eher nützlich oder schädlich war, darüber ließe sich streiten. Es gab und gibt etliche Hochkulturen ohne Christentum. Und ist z.B. die passive Hinnahme der Masseneinwanderung nicht gerade eine Folge des Christentums? 

Majestyk

31. Dezember 2025 16:10

@ Le Chasseur:
"Mein Bedarf an spannenden Jahren ist allerdings bis auf weiteres gedeckt."
Ich glaube nicht, daß das neue Jahr im eigentlichen Sinn wirklich gut wird, und ich mag bei Wünschen nicht heucheln. Mit Spannung meine ich, daß sich im kommenden Jahr einiges aufbrechen wird, Lügengebilde zusammenbrechen und sich womöglich Chancen ergeben. Daher die Formulierung.
Auch Ihnen und Ihrer Familie einen guten Rutsch!

Dietrichs Bern

31. Dezember 2025 16:37

@Artabanus: Nun, ich wüsste nicht, welche Glaubensinhalte der Islam mit dem Christentum teilen sollte, eigentlich gar keine, genau genommen, und ich wüsste auch nicht, weshalb das Christentum und sein Einfluss in Deutschland nicht im wesentlichen positiv sein sollten. Deshalb finde ich die Diskussion hier, die ja offensichtlich auch die Glaubens- und Kulturwelt unserer Ahnen teilweise  merkwürdig obsolet hält, so kurios.

Umlautkombinat

31. Dezember 2025 17:19

habe ich den Eindruck, dass sie materialistischer Ideologie anhängen.

Schreiben Sie hier nicht schon ein Weilchen, daran duerfte doch kein Zweifel bestehen? 

Wer sinnvolle Antworten auf die wichtigsten Fragen menschlicher Existenz finden will, muss diese Fragen aber zunächst einmal ernst nehmen und hat eine entsprechende "Verstaendnispflicht".

Nein, wie gesagt, schon die Definition "wichtiger Fragen" duerfte sich zu stark unterscheiden. Dazu ist mir dann meine Zeit zu schade (es braucht naemlich und das meist ergebnislos, s.a. gleich) und ich habe mittlerweile auch gelernt, dass meine sprachlichen Mittel dazu gar nicht genuegen. Verstaerkt durch ein besser entwickeltes Verstaendnis dafuer, was Sprache ueberhaupt abbilden kann.
 
Dann existiert natuerlich noch die Moeglichkeit, dass ich eine Antwort auf ein paar Dinge habe. Zum Beispiel Komme aus Staub, gehe zu Staub. Mein Materiebegriff und v.a.D. der von Zeit ist allerdings recht komplex, die daran aufgehaengte tatsaechliche Antwort erbt ein paar Zuege daraus. Guten Rutsch.

nagini

31. Dezember 2025 18:02

Ich finde das Leben vor allem eins: Unfassbar beängstigend. Wie oft habe ich vor allem in den Jahren 2020-2024 absolute Todesängste ausgestanden. Ich muss hier Superlative wählen, denn so eine Angst ist meiner Meinung nach kaum noch mit normalen Worten zu beschreiben (wie übrigens auch Nietzsche schon sagte, der unter anderem aus diesem Grund irgendwann anfing, in anderen Sprachen zu schreiben, z.B. Latein, soweit ich weiß). In der Bibel steht ja wohl sehr häufig "Fürchte dich nicht". Nun, ich kann wirklich nur flehen und betteln, dass Gott anwesend ist, denn es fühlt sich oft nicht so an. Ich weiß nicht mehr, was es finanziell und lebensorganisatorisch bedeuten oder brauchen würde oder möge. um "auf einen grünen Zweig zu kommen". Es bleibt regelrecht aussichtslos; meine gesamte Existenz jeden einzelnen Tag aufs Bitterste bedroht. Ich hoffe immer, es im nächsten Jahr dann "aus dem Gröbsten rauszuschaffen". Bisher gelang es mir in den letzten Jahren nicht und die tiefe, tiefe Angst ist geblieben.

Majestyk

31. Dezember 2025 18:16

"Das Fremdartige für uns am Islam ist das spezifisch Arabische, nicht dessen Glaubensinhalte." schreibt Artabanus.
Muß mich doch nochmal melden und leider frech werden. Das ist Stuß. Christentum wie Islam leiten sich vom Judentum ab, verhalten sich zueinander aber wie die Kinder von Adam. 
Fremdartig sind sehr wohl auch Glaubensinhalte, fällt sogar einem nicht religiösen Menschen wie mir auf. Im NT liest man eher von Vergebung, im Koran von Unterwerfung. Auch wenn man Religionsgeschichte kritisch betrachtet, das Christentum ließ letztendlich Renaissance wie Aufklärung gewähren. Was auch immer davon sich in muslimischen Ländern findet, wurde importiert. In muslimischen Ländern lebt man nach den Regeln des Islam, von Ausnahmen abgesehen. Wem das Leben unter einer Scharia nichts ausmacht, soll dazu stehen, aber relativieren, man könne unter dem Islam ein Leben in Religionsfreiheit führen oder gar ein säkulares Leben ist Nonsens. 
Die passive Hinnahme der Masseneinwanderung ist nicht Folge des Christentums, sondern wird von linken Kräften betrieben, die zuvor die eigenen Kirchen innerlich unterwandert haben. Eher ist es andersherum, die Linken haben das heimische Christentum sturmreif geschossen. MAGA hat einen christlichen Kern und ich glaube kaum, daß es in einem Staat wie Idaho sonderlich viele Muslime gibt.
Prosit Neujahr!

Artabanus

31. Dezember 2025 21:26

@ Majestik
Ich habe meine Zweifel, ob Sie das sog. NT oder erst recht den Koran so gut kennen. Die Behauptung, dass das Christentum sich vom Judentum ableitet ist Teil des Glaubens, aber ist niemals bewiesen worden. Es gibt sehr gute Gründe, den Ursprung des Christentums in Rom und nicht in Jerusalem zu lokalisieren. Und der Islam leitet sich eher von Christentum als vom Judentum ab. Im Islam ist Jesus der zweitwichtigste Prophet und die Moslems glauben, seine Mutter Maria sei eine Jungfrau gewesen. Die Moslems bestreiten allerdings, dass Jesus am Kreuz gestorben ist, es sei 'nur vorgetäuscht worden'. Es gibt in der Christlichen Tradition nichts Jüdisches und die ersten "Häretiker" waren die Marcioniten, die den ersten Kanon der "Heiligen Schrift" schufen, ohne die Biblica Judaica, das später sog. AT. Die Version des Christentums, auf die man sich Anfang des 4. Jahrhunderts einigte war nicht die ursprüngliche, und alle älteren Manuskripte sind verschwunden. Und was die Linken angeht, die sind ebenfalls ein Produkt des Christentums. Die Grünen z.B. sind praktisch inhaltsgleich mit der Evangelischen Kirche. Merkel, die Pfarrerstochter, öffnete die Grenzen aus einem Christlichen Moralverständnis heraus. Wadepul sieht in den Asylanten "Geschöpfe Gottes". Was die Renaissance angeht, die endete im Jahr 1600 mit der öffentlichen Verbrennung von Giordano Bruno, fur die die Kirche bis heute keine Reue zeigt. 
Guten Rutsch an alle hier

Laurenz

31. Dezember 2025 21:37

@Dietrichs Bern & Artabanus ... einfach mal die Kirche im Dorf lassen & die Sau im Stall. Der Islam wurde in seinen ersten 100 Jahren von den seinerzeitigen Schriftgelehrten für eine Christliche Sekte gehalten (Quelle: ARTE, die Apokalypse, Jesus & der Islam, (Mohammed im Quran 5x benannt, Jesus 30x)). Beides, Islam & Christentum sind Jüdische Kreationen, die in ihrer Konsequenz nachvollziehbar, aber aus Jüdischer Sicht gescheitert sind. Der frühe Mekkanische Islam wurde von den Jüdischen Kumpels Mohammeds inspiriert, allerdings hatte Mohammed in diesen 13 Jahren Mekka nur ca. 150 Follower. Die Judenfeindlichkeit entstand erst nach Mohammeds Flucht aus Mekka nach Medina, wie auch die viehische Brutalität der Muslime. Die christlichen Einflüsse dürften, siehe Einfaltigkeit, sich auf Arianer beschränken. Katholische Schulen sprachen in den ersten Jahrhunderten den Juden das Recht auf die Schrift ab. Vor allem, der Vorwurf, Jesus gemordet zu haben, lastete schwer auf dem Verhältnis der Juden zu den Christen. Völlig konsequent ist Jesus im Quran gar nicht am Kreuz gestorben. Ich interviewte mal einen späten Ritterkreuzträger, Panzerfahrer im Afrika-Korps, der in kurzfristiger Britischer Gefangenschaft vor dem muslimischen Grab Jesu in Ägypten stand.

Laurenz

31. Dezember 2025 22:02

@Rheinländer, Artabanus & Ramses44 ... Kosmologie ... Der wissenschaftliche Nachweis über unser Sonnensystem ist führbar. Darüber hinaus, wird es schwierig, weil wir, auch mit Satelliten, dort nicht hinkommen. Sie werden alle feststellen, daß der geplanten fliegerische Besuch des Mondes mit Menschen für 2027 immer weiter verschoben werden wird. Wir kommen hier nicht weg. Darwin hatte Schwierigkeiten, Seine Evolutionstheorie zu beweisen. In der modernen Wissenschaft weist die Kambrische Explosion (aus wissenschaftler Sicht extrem kurze 10 Mio. Jahre) auf eine Kreation hin, wie auch immer diese ausgesehen haben mag. Weiß noch keiner. Für die menschliche Vorstellung von Gott, als Schöpfer hingegen, sind 10 Mio. Jahre wieder ein extrem langer Zeitraum mit überschaubarer Performance, wie wir zB mit einem 4beiner-Rückgrat, Wurmfortsatz & Männer mit sinnlosen Brustwarzen, schon etwas billig in Gottes VEB konstruiert. Hier zum Thema eine entsprechende Doku (Darwins Dilemma) zur Kambrischen Explosion als Kreation. https://youtu.be/pKZUTtjqqFM

Laurenz

31. Dezember 2025 22:20

@Dietrichs Bern & Artabanus ... wenn man die Bibel (vor allem das Neue Testament) & den Quran liest, ist der innere politische Widerspruch zum Terrminus "Rechten Christen, siehe hier https://www.achgut.com/artikel/12.000_besucher_in_augsburg_glaubensfestvial_verunbsichert_linke_moralapostel , durchaus feststellbar. Bibel & Quran weisen politisch auf eine gesichert linksextreme politische Sicht der Protagonisten hin. Da hier ja alle explizite Bibelkenner sind, wird es den Debattenteilnehmern nicht schwerfallen, sich an die antiken Karl-Marx-Momente (vor allem bei Paulus, Simon Petrus & Jesus von Nazareth) aus dem Gedächtnis zu rufen. ... @Nagini ... bedaure Sie, wegen Ihre Ängste. Es ist keine "Sünde" Angst zu haben, aber ungünstig, sie nicht im Griff zu haben. Vor knapp 400 Jahren, im 30jährigen Krieg, starb quasi jeder II. oder III., den man kannte, als Opfer. Vielleicht bestellen Sie mal bei Antaios das Tagebuch des Landsknechts Peter Hagendorf. Mein Großvater diente mit 17 Jahren 1917 an der Belgischen Front als Artilleriebeobachter auf einem Ballon, was Ihn (aus Angst vor feindlichen Fliegern aus den Wolken) das Kettenrauchen lehrte.

Dietrichs Bern

1. Januar 2026 01:41

@Laurenz: Ihre Gleichsetzung von Christentum und Linksextremismus scheitert fundamental: Der Linksextremismus fordert die Herausgabe fremden Eigentums zur Verfügung für Herrschaftsstrukturen, die durch seine Nomenklatura besetzt sind und persönliche Bereicherung als natürliche Folge haben, im Christentum wird der persönliche Verzicht gepredigt um Arme zu unterstützen. Das ist Linken Weltanschauungen komplett Wesensfremd. 

Mitleser2

1. Januar 2026 08:49

@Dietrichs: "im Christentum wird der persönliche Verzicht gepredigt um Arme zu unterstützen."
Das ist bestenfalls naiv. Sagt Ihnen Franz-Peter Tebartz-van Elst, bekannt als „Protz-Bischof“ etwas?

Diogenes

1. Januar 2026 10:19

@Dietrichs Bern
 
Marxismus und Christentum haben die Formel "Alle Menschen sind gleich" zum Grundsatz. Oder nicht? Das macht sie wesensverwandt miteinander. 

Maiordomus

1. Januar 2026 10:27

Lassen wir die Debattte um Christentum und Linksextremismus. Eher scheint es mir angemessen, bei Sonnenschein am Neujahrstag vielleicht des kommenden Rilke-Jahres zu gedenken, da sich der Dichter auf seine Weise zum Beispiel auch über die KI geäussert zu haben scheint. Das hat das scheinbare Gestammel der Poeten als Prophetie so an sich:
O das Neue, Freunde, ist nicht dies,
dass Maschinen uns die Hand verdrängen.
Lasst euch beirren nicht von Übergängen,
bald wird schweigen, wer das Neue pries. 
 
Denn das Ganze ist unendlich neuer
als ein Kabel und ein hohes Haus.
Seht, die Sterne sind ein altes Feuer
und die neuern Feuer löschen aus-
(....)
Mehr, als wir erfuhren ist geschehn.
Und die Zukunft fasst das Allerfernste
rein in eins mit unserm innern Ernste.
 
Rilke, Werke, Kommentierte Ausgabe in 4 Bänden, Bd.2, Wiss. Buchgesellschaft Darmstadt 1976. S. 277

Dietrichs Bern

1. Januar 2026 12:58

@Mitleser 2: Ja klar ist mir der Fall bekannt, allerdings schmälert das nicht den Einsatz, den Tausende einfacher Christen vollbringen.

Dietrichs Bern

1. Januar 2026 13:04

Diogenes: Das ist falsch. Das Christentum lehrt, dass alle Menschen gleich geschaffen und von Gott geliebt sind, aber frei darin, ihre Entscheidungen zu treffen, was sie daraus machen. Marx hat -Vorbild für seine Anhänger- auf Kosten anderer gelebt, seine Frau geschlagen und seine alte Mutter um ihre Pension gebracht. Seine Gleichheit ist mittels Massenmord, Folter und Zwangslager zu erziehen. Das hat nichts miteinander zu tun.

Maiordomus

1. Januar 2026 13:14

@Diogenes. Weder sind nach christlich-jüdischem Weltbild alle Menschen gleich noch sind sie gottgleich, welch letztere Verneinung unter anderem, wenn auch nicht generell, zum Bilderverbot geführt hat. Und selbstverständlich sind Mann und Frau nicht gleich, die Muttergottes als Königin auch der Apostel steht himmelweit über allen Männern. Auch die 9 Chöre der Engel sind gemäss Dionysius Areopagita einander nicht gleich, differenzieren sich in äusserst unterschiedliche "Gewalten" und Sendungen. Hingegen spielt für das christliche Weltbild die Analogie eine grosse Rolle,  am stärksten in der katholischen Ethik, als deren Klassiker zum Beispiel Calderon und Dante zu gelten haben. Ein nicht kleines Problem bei diesem Weltbild, zumal im Vergleich zum Islam, ist die vergleichsweise Schwerverständlichkeit nicht weniger Dogmen, wobei Dogma immerhin Verkündigung heisst, nicht Theorie. Selber benötigte ich über 30 Jahre, um bei der Dreifaltigkeit einigermassen durchzusehen, hätte es indes nicht geschafft ohne den Japaner Zen-Meister Shizuteru Ueda "Die Gottesgeburt in der Seele" noch im Buchhandel. Empfehle Ihnen indes das Vermächtniswerk von Gerd-Klaus Kaltenbrunner über Dionysios, ausser dass die 1 400 Seiten noch eines differenzierenden Apparates bedurft hätten.     

Monika

1. Januar 2026 13:33

Es begann mit Psalm 130 über profunde Dinge, und es sollte nicht ausklingen mit Psalm 90: ...wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz"... (Leitthema bei Ernst Wiechert, Das einfache Leben). Und ja, auch von Arnold Stadler gibt es eine an heutigen Erfahrungen ausgerichtete Psalmenübersetzung. Verbringen wir 2026 nicht wie ein Geschwätz. 🫢

Waldgaenger aus Schwaben

1. Januar 2026 13:52

Ein wirklich profunder Text, der mich auf langen Neujahrsspaziergang beschäftigte. Ich dachte zurück an den Moment, als ich aus der Gleichgültigkeit, nicht aus dem Unglauben, zum Glauben zurückfand. Es war genau "die Kommunion in einem routiniert durchlaufenden Gottesdienst, die mir plötzlich zu "einem inneren Ereignis geworden" ist.
Ich dachte auf dem heutigen Spaziergang zurück an Stunden und Tage tiefsten Glückes und schrecklicher Traurigkeit. Ich dachte daran, was noch kommen wird: Sicher sind mir nur Alter und Tod. Wahrscheinlich warten körperliches Leid und Gebrechen auf mich. Mein Resümee:
Im innersten Glutkern meines Glaubens herrscht Sprachlosigkeit. Nicht Schweigen und nicht Stille, sondern Sprachlosigkeit. Kommunikation mit Gott und den Menschen jenseits des Sagbaren.

Diogenes

1. Januar 2026 13:54

@Dietrichs Bern@Maiordomus
 
Wir sind geteilter Anschauung in diesem Punkt, den Vergleich der Wirkformel betreffend, die Christentum und Maxismus im Sprachbild zugrunde liegt. Aber danke für Ihre Ausführungen. 

Monika

1. Januar 2026 13:54

Erlösungsbedürftig und erlösungsunfähig, da fällt mir zum Schluss die französische Schriftstellerin Marie Noél ( Marie Rouget) 1883-1967 aus Auxerre ein. In ihren notes intimes steht: "Mein Gott, ich liebe Dich nicht/ich wünschte mir es nicht einmal/ich langweile mich mit Dir/Vielleicht glaube ich sogar nicht an Dich/Aber schau mich im Vorbeigehen an/Nimm für einen Moment in meiner Seele Schutz/ordne sie sanft ( wie ein Hauch)/ohne daß es den Anschein hat/ ohne mir etwas zu sagen". 

Ekstroem

1. Januar 2026 14:42

@ Laurenz. Sie erwähnen die Kambrische Evolution und "Darwins Dilemma". Die Evolutionslehre ist mAn ein Musterbeispiel für den Irrweg der materialistischen Wissenschaft. Ein Autor, der für seine unorthodoxen Thesen bekannt ist, hat ein kleines Büchlein geschrieben, daß die Absurdität der Irrlehre mit eindrücklichen Beispielen aufzeigt: https://www.amazon.de/Alles-Evolution-Argumente-radikales-Umdenken/dp/3864457793 Wer es wissenschaftlicher möchte, dem sei das Buch "Das Darwin Komplott" empfohlen. 

Majestyk

1. Januar 2026 15:00

Erstaunlich für ein historisch gebildetes Kommentariat, wenn man noch nie was von Zwangstaufen und Schwertmission gehört hat, geschweige denn von Inquisition und christlicher Kolonisation. Es ist doch augenscheinlich, daß sich vor allem Christentum und Islam weltweit ausgebreitet haben, während Hinduismus oder Buddhismus eher in ihren Ursprungsregionen verbreitet sind. Alles nur durch die Kraft des Wortes? Vom Krieg führen, mit Sklaven handeln, Leibeigene halten, Arme verhungern lassen und feudale Strukturen rechtfertigen wurden Christen von ihrer Lehre auch nicht gerade abgehalten. In den Anfängen mag das Christentum pazifistisch und friedfertig gewesen sein, es war es nicht mehr, als es zur Wahrung von Herrschaft instrumentalisiert wurde und der Sicherung von Macht diente. Bei kleineren Glaubensgemeinschaften mag das anders sein, nicht aber bei Anglikanern, Lutheranern oder Katholiken. Frohes Neues Jahr!

Maiordomus

1. Januar 2026 15:20

Majestix. Was wissen Sie von Christentum und christlicher Kolonisation, den Details im Vertrag von Tortesillas und der Auseinandersetzung zwischen den Dominikanern und den Kolonialisten? Immerhin wurde. auch wegen des Primats der Mission, die Versklavung der Ureinwohner in Amerika, leider mit der Kompensation durch den Sklavenimport, bei dessen Durchführung Araber bzw. Muslime eine grosse Rolle spielten, weil dieser Sklavenhandel die Preise für die Mohren, ein zwar unangemessener Ausdruck, nach oben getrieben hat. Auch müsste man das Missionskonzept der deutschen Missionare zur Zeit von Bismarck, entworfen vom Schweizer Pater Andreas Amrhein, zumindest kennen, es ging hier durchaus um Entwicklungsarbeit, so wie  es Missionare gewesen sind, welche als erste die Sprache der Schwarzen u.a. durch Grammatiken erforscht haben, auch die Indianersprachen, verweise hier auf den Luzerner Missionar Segesser im 17,/18. Jahrhundert und die Suaheli-Grammatik des Schweizer Bischofs Gallus Steiger. Ohne diese Grundkenntnisse bleibt man auf üblichem Idiotenniveau. Unterdessen ist natürlich auch Albert Schweitzer aus linker Sicht nichts als ein Rassist und Kolonialist. Das Niveau dieser Leute war immerhin höher als dass der professionellen Fussball-Vermittler, hat den entsprechenden Ländern auch mehr gebracht. Lebten Sie in Südamerika, würden Sie Ihre Kinder wegen Qualität in eine katholische Schule schicken. Der gegenwärtige Papst war in Peru auch nicht  ein kolonialer Blutsauger.     

Majestyk

1. Januar 2026 16:27

Ich weiß genug Maiordomus und habe z.B. meinen Thomas Sowell auch gelesen. Araber, Muslime und andere Afrikaner fingen Sklaven ein, über die Ozeane wurden diese aber durch Briten, Niederländer und Portugiesen verschifft und auch auf deren Plantagen eingesetzt. Die Briten bekämpften Sklavenhandel erst, als sie diesen dank Industrialisierung nicht mehr benötigten. Jetzt waren Briten und Niederländer, auch die meisten Sklavenhalter im amerikanischen Süden keine Katholiken, dennoch Christen. Man muß nicht in Wokismus verfallen, aber blind alles reinwaschen, was Europäer taten ist nicht meins. Und jene Europäer waren meist auch brave Kirchgänger, genau wie die Abolitionisten in den amerikanischen Nordstaaten. Ich bin zur differenzierten Betrachtung fähig und betrachte auch Christen nicht als homogene Gruppe.
Ihr gegenwärtiger Papst ist übrigens genauso ein Linker wie sein Vorgänger, aber sowas von. Paßt zur obigen Diskussion wie Faust aufs Auge.

Gimli

1. Januar 2026 18:05

Lieber Herr Bosselmann, ein (mir) sympathischer Text, weil die gleiche Zerrissenheit durchscheint, wie ich sie immerwegs spüre. Die Fragen nach dem Woher, Wohin und Warum Überhaupt sind für mich nicht zu beantworten und meine Selbstüberhöhung neigt immer wieder dazu, keinem Menschen (und womöglich auch manch anderem dazu fähigen Mitlebewesen) bis heute zuzugestehen, darauf ein Anwort zu finden. Nach Tausenden von Jahren haben weder Religionen, noch Philosophie oder Wissenschaft Antworten geliefert. Das Einzige: Ethik, Moral, Gesellschaftsverträge, Wissen und tech. Fortschritt. Also irgendwelche Glaubensätze, um sich seelisch-rational zu erhalten und Technoligie, um die physischen Härten des "Lebens" zu mildern. Demut - mit VErlaub - ist mir zu bücklingshaft, zu verzagt, zu schuldig. Man kein auch aufrecht mit der Ökosphäre im Austausch stehen; auf der Welt zu sein trägt keine Schuld a priori in sich. Der notwendige Stoffwechsel, den wir haben müssen um nicht dem 2. HS der Thermodynamik zu erliegen, ist auch kein Schuldgrund. Wir verbrauchen ja nichts, wandeln nur um ;-)Meine größte Pein: Meine relativistische Haltung ggü dem Phämomen des Seins erlaubt mir auch keine Letztbegründung meiner Werte, die da ja mit den hiesig geäußerten kaum in Kongruenz zu bringen sind. Wenn einfach alles nur relativ ist, bleibt einem nichts Festes mehr. Und daher verstehe ich auch "Gute Reise, Mutti" ... Es bleiben nur tröstliche Metaphern. Und weiter machen ...egal warum, für was und wohin es führt.

Olmo

1. Januar 2026 18:17

Erinnerungskultur. Zehn Jahre ist sie her– die erste Maroquinade auf deutschem Boden seit 1945:
https://sezession.de/52734/koeln-und-die-deutschen-maenner
 

Franz Bettinger

1. Januar 2026 18:26

Uns dünkte an Silvester, dass die Satanisten-Pfarrer & TVTeams, die Christus im Stall auf Heu als hilflosen hässlichen blutigen Schleimbeutel darstellten, wohl übersehen haben, dass Islamisten Jesus als Propheten verehren & sich ob der unsäglichen Blasphemie also in höchstem Maße in ihrer Ehre gekränkt fühlen werden. Es gab Fatwas für geringere Sauereien. Ob da noch was kommt?

Ein gebuertiger Hesse

1. Januar 2026 21:04

@Bettinger
Haha! "Islamisten machen Terz wegen Verunglimpfung des Jesus-Kindes in westlichen Weihnachts-Shows" - das wäre was, die erste Sensation des neuen Jahres.

RMH

2. Januar 2026 10:34

"Haha! "Islamisten machen Terz wegen Verunglimpfung des Jesus-Kindes in westlichen Weihnachts-Shows" - das wäre was, die erste Sensation des neuen Jahres."
Was die "Islamisten" sicher nicht tun werden, woraus auch deren grundpolitische Machtergreifungsstrategie ersichtlich wird. Aus religiösen Prinzipien auch einmal da zu intervernieren, wo die andere Feldpostnummer tätig ist, da man hier gleiches, wenn auch graduell unterschiedlich, verehrt, ist nicht drin, da dies den konkreten politischen Zielen nichts nutzt. Die schwachen, christlichen Kirchen tun  hingegen alles in genau dem Sinne, dass wenn der Islam zu hart angegangen wird, Korane verbrannt werden, sie zweifelsohne selber als erste noch weiter nach unter fallen. Daher das Gebuckel vor dem Islam, das Kreuze ablegen etc. Die Kraft zu einer echten Reconquista hat bei den Kirchen keiner mehr, man bevorzugt aktuell eher die Opferkarte und richtet sich aufs Zahlen der Jizya ein.

Gracchus

2. Januar 2026 11:50

Allen ein frohes neues Jahr!
Hier der ultimative Gottesbeweis: Es gibt Bruckners 8., also gibt es Gott.
Ansonsten schließe ich mich @Monika ("Geschwätz") wie den Literaturhinweisen Maiordomus an (Dante, Kaltenbrunner, Ueda), allerdings nicht der überflüssigen Debatte, ob Bibel oder Christentum "gesichert linksextrem" seien; das katholische Christentum umfasst natürlich "rechts" wie "links".
Noch @Umlautkombinat: Sie müssen natürlich gar nichts schlucken und als wahr hinnehmen. Ich wollte nur auf die Begrenztheit der von Ihnen favorisierten Methode hinweisen. Auch zu dieser Einsicht kann man sie nicht zwingen. Was ich nicht zu schlucken bereit bin, ist, dass jede Aussage naturwissenschaftlich beweisbar sein müssen. Insoweit empfehle ich Heideggers "Weltbild"-Aufsatz (in: "Holzwege") zur Lektüre.

Gracchus

2. Januar 2026 12:05

Was die derzeitige Lage sowie die Diskussion im Forum zeigen: dass das Aggionarmento der Katholischen Kirche gründlich gescheitert ist. Die Kirche, insbesondere hierzulande, muss wieder zu ihrer eigenen Sprache, dem unterscheidend Christlichen, zurückfinden, wenn sie eine Chance haben will. 

MarkusMagnus

2. Januar 2026 12:08

@ Franz Bettinger
Meiner Meinung nach eine ähnliche Verunglimpfung wie damals bei den "Pussy Riots" und ihrer Schändung einer christlichen Kirche in Russland. 
In einer Synagoge oder Moschee haben die sowas nicht gebracht. In eine Synagoge kämen sie gar nicht erst herein, und in einer Moschee wären sie gelyncht worden.
Aber mit den friedfertigen Christen kann man es ja machen? 
Jesus hätte eine Peitsche genommen und diese "Christen" aus der Kirche geprügelt.
 
 

Umlautkombinat

2. Januar 2026 13:00

Was ich nicht zu schlucken bereit bin, ist, dass jede Aussage naturwissenschaftlich beweisbar sein müssen.

Was ich ja nie behauptet habe (*). Damit bleibt aber auch etliches nach Definition des Wortes im Subjektiven (und wird keineswegs dahin geschoben - schon gar nicht von mir -  wie Ihr Kokommentator formuliert hat).
 
(*) Ich glaube Sie waren es, der hier einmal mit der Bezeichnung atheistischer Agnostiker Probleme hatte.  Ich strebe als solcher z.B. keine Gottesbeweise (oder aus meiner Position das Gegenteil) an, weil die nicht fremdleistbar sind. Was meine Auffassung dazu kein Stueck aendert. Sein Platz wird immer enger (s.o. "wahrscheinlichere" Erklaerungen). Die meisten Leute wuerden heute wohl auch die Entstehung von Blitzen nicht in Zeus' Hand sondern eher in elektromagnetische Wechselwirkungen verlegen. Gott geht es aus meiner Sicht nicht anders.
 
Wissen Sie, ich bin ja keine Maschine. Wissenschaft lehrt mich auch Demut. Ich und meine subjektiven Befindlichkeiten sind nicht das Zentrum des Universums. Sie gibt mir Werkzeuge an die Hand, diese Nagelproben zu unterziehen. Auch fuer mich gelegentlich schmerzhaft. Die Vorteile wiegen das aber locker auf.

Laurenz

2. Januar 2026 13:52

@Gracchus ... Wenn die Katholiken eine Chance haben wollen, Gracchus, bringt es nichts, wie RMH schreibt, sich auf das Zahlen der Kopfsteuer einzurichten, weil einen das nicht vor Übergriffen schützt. Sondern die Kirche muß sich harten Stahl in ihr Rückgrat einsetzen lassen, auch auf die Gefahr hin, den Nazi-Kirchenvertrag gekündigt zu bekommen. Das wird über kurz oder lang sowieso passieren, wenn die linke Einheitsfront weiter dran ist. Der Klerus hat einfach noch nicht begriffen, daß es um seinen Tod oder sein Überleben geht. Kleiner Tip, wer zuerst schießt, lebt meist länger. Das ist, was die Israelis voll & ganz begriffen haben.

Maiordomus

2. Januar 2026 14:01

@Gracchus. Danke für Ihre Bestätigung. Zumal für Hinweis auf Heideggers "Holzwege", eine seiner kostbarsten Aufsatz-Sammlungen, die bis heute gründlichste Deutung betr. Nietzsches Diktum "Gott ist tot", oft zu blossem Schlagwort des Unglaubens verniedlicht. Der Satz geht weit tiefer,  meint insbesondere und sogar mit Nachdruck jede Art von Ersatzgöttern. Thematik war vor Jahren sowas wie die Vorlesung meines Lebens, von wegen einer einzigartig wertvollen Debatte mit jungen Leuten, mit denen ich zum Teil lebenslang im Gespräch geblieben bin. 
Über meine eigene alpine Heimat bin ich derzeit betrübt u. mehr noch empört, von wegen kaum übertreffbarer Nachlässigkeit beim Feuerschutz, womöglich ein Gipfel der Verantwortungslosigkeit, auch Behörden machen bis anhin schlechte "Falle". Ein in Deutschlands OeR-TV angefragter Korrespondent des Schweizer Fernsehens liess elementarste Ortskenntnisse vermissen, indem er Crans-Montana, längst zur Bergstadt ausgebaut, in Richtung St. Moritz der Westschweiz, als "kleines Bergdorf" bezeichnete (galt vor 60 Jahren), wohin heute Touristen von Dubai usw. zufliegen, so ein verbrannter Golfspieler v. it. Nationalität. Bis zum Beweis v. Gegenteil liegt ein schweres Verbrechen vor, wiewohl nicht Terror. Hier fand auch schon Ski-WM statt.    

Le Chasseur

2. Januar 2026 14:32

@MarkusMagnus"Aber mit den friedfertigen Christen kann man es ja machen? Jesus hätte eine Peitsche genommen und diese "Christen" aus der Kirche geprügelt."
Gut, die Frage ist grundsätzlich, was Jesus davon hält, dass man eine Holzfigur anbetet (sei es die eines Säuglings in der Krippe oder die eines ans Kreuz genagelten Mannes). Und bei den Muslimen herrscht das Bilderverbot, deshalb finden die ein Jesuskind in der Krippe vermutlich auch nicht so prickelnd, egal, wie es aussieht.
@Maiordomus
Die Katastrophe in Crans-Montana hat mich ziemlich runtergezogen. Wo war da Gott, oder seine Schutzengel, an deren Eingreifen ins irdische Geschehen ja einige hier glauben? Oder war das wieder Karma, und die Opfer wurden für Sünden, die sie in einem früheren Leben begangen haben, bestraft?

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.